Häufige Fragen und Antworten zu den aktuellen MRSA-Fällen auf der Kinderintensivstation des Westpfalz-Klinikums

(Stand: Dienstag, 11. August 2020, 17:00 Uhr)

(1) Was ist MRSA und welche gesundheitlichen Auswirkungen hat dies für die Betroffenen?

MRSA ist die Abkürzung für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Dabei handelt es sich um Bakterien, die gegen die meisten Antibiotika (u.a. Methicillin) resistent sind. Sie kommen insbesondere auf der Haut und an den Schleimhäuten vor (z.B. Nase, Rachen, Achseln). Die Übertragung von MRSA erfolgt hauptsächlich von Mensch zu Mensch sowie über verunreinigte Gegenstände und Flächen.

Gelangen diese Bakterien über Wunden oder die Schleimhäute in den Körper, können sie eine Infektion auslösen und die Erkrankung unter Umständen einen schweren Verlauf nehmen. Eine MRSA-Infektion ist generell für alle Menschen gefährlich, kann jedoch bei Patienten mit Vorerkrankungen bzw. geschwächtem Immunsystem (dazu zählen auch Frühchen) unter Umständen gefährlicher werden.

(2) Was unternimmt das Westpfalz-Klinikum, um eine MRSA-Besiedlung in der Kinderintensivstation frühzeitig zu erkennen bzw. möglichst zu vermeiden?

Im Rahmen des Hygienekonzeptes des Westpfalz-Klinikums werden alle Patienten der Kinderintensivstation einmal pro Woche auf Keime getestet („Routinescreening"). Zudem wird jedes neu auf der Station aufgenommene Kind untersucht („Aufnahmescreening"). Um das Risiko weiter zu minimieren, werden auch künftig weiterhin sowohl die Mütter als auch die Väter von neu aufgenommenen Frühchen auf MRSA getestet.

(3) Welche Maßnahmen werden bei einer MRSA-Besiedlung ergriffen und wie wird bei einer MRSA-Infektion therapiert?

Sollte sich im Rahmen des Screenings eine MRSA-Besiedlung zeigen, kann bei Frühchen aufgrund des Nebenwirkungsspektrums der Medikamente eine Sanierung in der Regel nicht erfolgen. Oftmals wird allerdings der MRSA-Keim im Verlauf durch andere Keime der eigenen Flora verdrängt und das Kind kann während des Aufenthaltes oder nach Entlassung bereits wieder negativ getestet werden. Es ist ebenso möglich, dass eine MRSA-Besiedlung bestehen bleibt ohne dass das Frühgeborene erkrankt.
Bei Kindern ab dem 6. Lebensmonat und bei Erwachsenen erfolgt in der Regel eine Dekolonisierung nach einem Sanierungsplan. Dieser umfasst auf täglicher Basis u.a. Ganz-Körperwaschungen mit antibakteriellen Waschlösungen, Kleidungs- und Bettwäschewechsel sowie Desinfektionen von patientennahen Flächen und Pflegeutensilien.

Um einen Keim als MRSA zu diagnostizieren sind stets mehrere Testungen notwendig. Zunächst muss der Erreger in Reinkultur vorliegen. Hierzu sind die mikrobiologische Anzucht sowie gegebenenfalls mehrere Vermehrungs- bzw. Isolationsschritte mit 18- bis 24-stündiger Inkubation notwendig. Abschließend folgen Identifizierung, Resistenztestung und Bebrütung über Nacht. Idealerweise steht das Ergebnis dann bereits fest. Es kann jedoch auch vorkommen, dass zusätzliche Testungen und Wiederholungen bei nicht eindeutigen Ergebnissen durchgeführt werden müssen.

Sollte sich eine MRSA-Infektion entwickeln, würden diese die Symptome einer typischen Neugeboreneninfektion zeigen (z.B. vermehrter Sauerstoffbedarf, Probleme bei der Atmung bis hin zu Atemaussetzern, Kreislaufprobleme). Die Infektion könnte dann fallweise mit Antibiotika therapiert werden.

(4) Wie wurden die aktuellen MRSA-Fälle am Westpfalz-Klinikum entdeckt und was passierte dann?

Der erste aktuelle MRSA-Fall („Indexpatient") wurde im Zuge eines Routinescreening identifiziert. Unmittelbar nach Bekanntwerden der vier weiteren Laborbefunde - in denen eine Besiedlung mit MRSA-Keimen nachgewiesen wurde - hat das Westpfalz-Klinikum eine Taskforce eingesetzt und in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt u.a. einen Aufnahmestopp für die betroffene Station verhängt und eine zusätzliche Intensivstation als Ausweichstation eingerichtet. Die betroffenen Patienten wurden isoliert, die Handschuh- und Kittelpflege intensiviert, ein Umfeldscreening durchgeführt, die Reinigungsintervalle erhöht und eine Prozessbeobachtung eingerichtet.

Bezogen auf das Personal erfolgte ein Screening aller rund 50 Beschäftigten sowie eine strikte Trennung des Personals. Fortan werden mit MRSA besiedelte Patienten somit von anderen Mitarbeitern betreut als nicht MRSA-besiedelte Patienten.

Ferner fand eine Begehung der Kinderintensivstation durch das Gesundheitsamt Kaiserslautern gemeinsam mit externen Hygienespezialisten statt (21. Juli 2020). Hierbei konnte die Quelle der MRSA-Besiedelung jedoch erneut nicht identifiziert werden. Oft liegt diese außerhalb der betroffenen Kliniken. Es wurde nochmals bestätigt, dass die Vorgaben und die entsprechenden Empfehlungen der Hygiene von den Beschäftigten engagiert und motiviert umgesetzt und weiterentwickelt werden. Bei einer Folgebegehung (29. Juli 2020) zeigte sich, dass das Westpfalz-Klinikum die vorgeschlagenen Empfehlungen bereits weitestgehend umgesetzt hatte.

Sowohl die Eltern der Frühgeborenen als auch - zum zweiten Mal - die Beschäftigten auf der Kinderintensivstation wurden auf MRSA getestet. Sowohl die Testergebnisse der Eltern als auch alle bisher vorliegenden Testergebnisse des Klinikpersonals sind negativ. Im Nationalen Referenzzentrum für Staphylokokken und Enterokokken des Robert Koch-Instituts in Wernigerode wurde derzeit außerdem eine Typisierung des MRSA-Keims durchgeführt. Nach Auskunft des Referenzlabors sind MRSA mit diesen Charakteristika in Deutschland sehr selten.

(5) Wie oft kommen MRSA-Fälle in Krankenhäusern vor und wie oft war das Westpfalz-Klinikum betroffen?

MRSA ist seit vielen Jahren bekannt und kommt in Kliniken, ambulanten medizinischen Einrichtungen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen immer wieder vor. Folglich waren auch immer wieder Stationen im Westpfalz-Klinikum betroffen.

Im Jahr 2019 wurden an allen vier Standorten des Westpfalz-Klinikums 184 MRSA-Fälle registriert. Wegen der immer besser wirkenden Früherkennungs- und Bewältigungsmaßnahmen ist die Fallzahl an allen Standorten im Vergleich zu den Vorjahren gesunken.

Auffällige Häufungen von MRSA-Fällen auf einer Station innerhalb desselben Zeitraums hat es in der letzten Zeit am Westpfalz-Klinikum nicht gegeben. Auch auf der nun betroffenen Kinderintensivstation gibt es in der Regel keine MRSA-Nachweise.

(6) Wie viele Patienten sind aktuell von MRSA am Westpfalz-Klinikum betroffen und wie ist die momentane Situation?

Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich noch 2 mit MRSA besiedelte Frühgeborene auf einer Station des Westpfalz-Klinikums. Die Frühgeborenen sind in stabilem Zustand, es ist nicht zu Infektionen durch MRSA gekommen. Folglich werden sie auch nicht - bezogen auf MRSA - behandelt. Sie wurden räumlich von den anderen, nicht besiedelten frühgeborenen Patienten getrennt, so dass aktuell auf der Kinderintensivstation keine mit MRSA besiedelten Patienten liegen. Alle anderen Frühgeborenen konnten in stabilem Zustand entweder heimatnah verlegt oder entlassen werden.

Trotz umfangreicher Untersuchungen der auf der Station eingesetzten Pflegepersonen und sonstiger Mitarbeiter (Physiotherapeuten, Hauswirtschaft, Reinigungspersonal usw.) und der Umgebungsuntersuchungen, konnte die Ursache bisher nicht im Krankenhaus gefunden werden. Die Ergebnisse der Untersuchung der kolonisierten Kinder zeigen, dass es sich um einen Stamm handelt, der üblicherweise in Krankenhäusern nicht vorkommt.

Der Aufnahmestopp für die Intensivstation der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin besteht somit nicht mehr.