Vertrauliche Hilfe nach Gewalt
Westpfalz-Klinikum erweitert Unterstützung für Betroffene
Auftaktveranstaltung am 28. August mit Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler – vertrauliche medizinische Versorgung und gerichtsfeste Spurensicherung künftig auch am Westpfalz-Klinikum
Kaiserslautern. Menschen, die häusliche oder sexualisierte Gewalt erfahren haben, benötigen häufig schnell medizinische Hilfe, möchten oder können sich aber nicht sofort für eine Strafanzeige entscheiden. Das Westpfalz-Klinikum erweitert deshalb sein bestehendes Unterstützungsangebot und beteiligt sich künftig am landesweiten Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“.
Das vom Land Rheinland-Pfalz initiierte Angebot ermöglicht Betroffenen eine vertrauliche medizinische Versorgung. Auf Wunsch können Verletzungen dokumentiert und Spuren der Gewalt gerichtsfest gesichert werden – ohne dass damit die Verpflichtung verbunden ist, Strafanzeige zu erstatten.
„Für Menschen, die Gewalt erfahren haben, ist es entscheidend, dass sie selbst über die nächsten Schritte bestimmen können. Unser Ziel ist es, ihnen einen geschützten Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen und gleichzeitig die Option offenzuhalten, sich zu einem späteren Zeitpunkt für rechtliche Schritte zu entscheiden“, sagt Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor am Westpfalz-Klinikum.
Westpfalz-Klinikum baut auf bestehender Erfahrung auf
Das Westpfalz-Klinikum beteiligt sich bereits seit Ende 2023 am Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das ebenfalls vom Land Rheinland-Pfalz initiiert wurde. Mit der Beteiligung am Projekt „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ wird dieses Engagement nun ausgeweitet: Das neue Angebot umfasst neben der medizinischen Versorgung nach sexualisierter Gewalt künftig auch die vertrauliche Versorgung und Spurensicherung bei häuslicher Gewalt und weiteren Gewaltformen.
Die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden speziell für den sensiblen Umgang mit Betroffenen sowie für die rechtsmedizinisch relevante Dokumentation geschult. Betroffene entscheiden dabei selbst, welche Untersuchungen und Dokumentationen durchgeführt werden und ob sie eine vertrauliche Spurensicherung wünschen. „Unsere Teams an allen Standorten werden gezielt geschult, um Betroffene kompetent und einfühlsam zu unterstützen“, so Andrea Bergsträßer, Pflegedirektorin des Westpfalz-Klinikums.
Die erhobenen Befunde werden beim Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz mehrere Jahre lang sicher aufbewahrt. Erst wenn sich die betroffene Person zu einem späteren Zeitpunkt für eine Strafanzeige entscheidet und einer Schweigepflichtsentbindung zustimmt, können die Unterlagen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden.
Dieses Angebot richtet sich an alle Menschen ab 18 Jahren, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. Auf Wunsch wird zusätzlich der Kontakt zu einer regionalen Frauenunterstützungseinrichtung vermittelt.
Auch für Kinder und Jugendliche steht im Westpfalz-Klinikum ein Unterstützungsangebot zur Verfügung. Neben der medizinischen Versorgung können dabei unter anderem Kinderpsychologinnen und -psychologen sowie der Sozialdienst einbezogen werden. Gemeinsam wird im Einzelfall sorgfältig geprüft, welche Unterstützung erforderlich ist. Maßgeblich sind dabei stets das Wohl des Kindes und eine individuelle Einschätzung der Gefährdungssituation.
Hilfe unabhängig von einer Strafanzeige
Die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ schließt eine wichtige Lücke: Betroffene müssen sich nicht zwischen medizinischer Hilfe und einer sofortigen Strafanzeige entscheiden. Sie erhalten medizinische Versorgung und können auf Wunsch Spuren sichern lassen, während die Entscheidung über eine Anzeige zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden kann.
Gerade bei Gewaltverletzungen und sexualisierter Gewalt ist eine zeitnahe medizinische Untersuchung wichtig, da Verletzungen innerhalb weniger Tage verheilen und Spuren verloren gehen können. Auch kleinere Verletzungen können für eine spätere strafrechtliche Aufarbeitung relevant sein. Das Angebot ist vertraulich – die Entscheidung über eine Strafanzeige bleibt jederzeit bei der betroffenen Person.
Auftaktveranstaltung am 28. August
Das Westpfalz-Klinikum stellt das neue Angebot am Freitag, 28. August 2026, ab 10 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstaltung im Hörsaal (Haus 4, Ebene 2) am Standort Kaiserslautern vor. Als besonderer Gast nimmt Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend, teil und ordnet das Projekt politisch ein. Die Begrüßung übernehmen Geschäftsführer Thorsten Hemmer und Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl, Ärztlicher Direktor des Westpfalz-Klinikums.
Im Anschluss gibt Leila Malolepszy, Projektleiterin am Institut für Rechtsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, einen Einblick in das Projekt und seine Ziele. Wie die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ konkret am Westpfalz-Klinikum umgesetzt wird, steht anschließend im Mittelpunkt einer von Prof. Dr. med. Karlheinz Seidl moderierten Gesprächsrunde, an der Vertreterinnen und Vertreter verschiedener medizinischer Fachbereiche des Klinikums teilnehmen. Ergänzend stellen sich die Trauma-Ambulanz des Pfalzklinikums sowie regionale Frauenunterstützungseinrichtungen mit ihren Hilfsangeboten vor.
Im Anschluss besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch. Die Veranstaltung endet gegen 11:45 Uhr.
Vertreterinnen und Vertreter der Medien sowie weitere Interessierte sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung per E-Mail an abuley@westpfalz-klinikum.de wird gebeten.