Wie Hitze unseren Schlaf negativ beeinflusst

Kaiserslautern. Von Albträumen bis Zähneknirschen – die Schlafmedizin kennt mehr als 100 unterschiedliche Schlafstörungen. Erschwerend kommt im Sommer die nächtliche Hitze hinzu. „Schlaf ist eben mehr als Augen zu“, sagt Dr. med. Stefan Kniele, der das Schlaflabor im Medizinischen Versorgungszentrum Kaiserslautern des Westpfalz-Klinikums leitet. Pro Jahr führt der Pneumologe, Schlafmediziner und Schlafcoach rund 2.000 Untersuchungen im Schlaflabor durch – in kalten und heißen Nächten.

„Unser Körper ist darauf programmiert, bei sinkender Temperatur einzuschlafen. Hitze wirkt diesem natürlichen Prozess entgegen“, erläutert Dr. Kniele. Der Körper könne überschüssige Wärme schlechter abgeben, besonders wenn die Umgebungsluft ebenfalls warm sei. Dadurch bleibe der Organismus in einem aktiveren Zustand. „Einschlafen wird schwieriger, und wir wachen häufiger auf“, so der Schlafmediziner.

Schon einfache Maßnahmen können dem Körper laut Dr. Kniele beim Abkühlen helfen. Dazu zählen lauwarmes Duschen, leichte, atmungsaktive Bettwäsche und durch ein Fußbad gekühlte Füße. Auch ein abgedunkeltes Schlafzimmer tagsüber und nächtliches Lüften sowie Ventilatoren und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können sich positiv auf den Schlaf auswirken.

„Die meisten Studien sehen die optimale Schlaftemperatur zwischen 16 und 19 Grad“, weiß der Experte. „Es gibt natürlich individuelle Unterschiede, aber deutlich höhere Temperaturen verschlechtern nachweislich die Schlafqualität.“

Hitze wirkt sich laut Dr. Kniele besonders auf die Struktur des Schlafs aus: Die Einschlafphase dauere länger. Der Tiefschlaf, der entscheidend für die körperliche Erholung sei, werde verkürzt. Der REM-Schlaf, auch Traumschlaf genannt, könne gestört sein, was sich auf Gedächtnis und Emotionen auswirke. Außerdem nähmen Aufwachreaktionen zu. „Das Ergebnis: Man fühlt sich trotz ausreichender Schlafdauer weniger erholt“, sagt er.

Neben kühlenden Ritualen können sich leichte Mahlzeiten am Abend sowie regelmäßige Schlafzeiten positiv auf den Schlaf auswirken, so der Schlafcoach. Eher schädlich seien hingegen Alkohol, der sowohl die Temperaturregulation als auch die Schlafphasen störe. Auch intensive körperliche Aktivität spät am Abend, elektronische Geräte und schwere, warme Mahlzeiten seien nicht förderlich für guten Schlaf.

Auch der Klimawandel macht sich laut Dr. Kniele bemerkbar: „Studien zeigen, dass steigende Nachttemperaturen im Zuge des Klimawandels weltweit zu schlechterem Schlaf führen“, sagt er. Besonders betroffen seien Menschen in ohnehin warmen Regionen, ältere Personen mit geringerer Temperaturregulation, Menschen ohne Zugang zu Kühlung und Menschen mit zusätzlichen Schlafstörungen.

In der Forschung wird das Thema Schlaf und Klima immer wichtiger. Denn: „Langfristig kann schlechter Schlaf gesundheitliche Folgen haben – etwa für Herz-Kreislauf-System, Konzentration und psychisches Wohlbefinden“, weiß der Schlafmediziner. Personen mit Schlafstörungen – auch bei normaler Temperatur – empfiehlt er deshalb, einen Besuch im Schlaflabor.