Ein unterschätztes Krankheitsbild

Verwachsungen (Adhäsionen) sind möglich als angeborene oder erworbene Verwachsungen. Erworbene Verwachsungen entwickeln sich oft bei der natürlichen Wundheilung. Verwachsungen verbinden Organsysteme, die normalerweise voneinander getrennt sind. Erworbene und postoperative Verwachsungen treten nach vielen Operation auf. Sie können aber auch nach Entzündungen oder nach einer Endometriose entstehen.

Verwachsungen nach Operationen entstehen besonders häufig bei Eingriffen im kleinen Becken. Wird beispielsweise bei Darmoperationen oder einer Endometrioseoperation das Bauchfell eröffnet, das die inneren Organe überzieht, bilden sich häufig Verwachsungen als natürliche Reaktion der Wundheilung. Es handelt sich hier um einen hochkomplexen Vorgang mit vielen Faktoren, die bis zum heutigen Tag nicht vollständig erforscht sind.

Bei der Wundheilung entsteht häufig ein Wundsekret, das Eiweiß, Fibrin und Blutgerinnungsbestandteile enthält, die sich auf die Wunde legen. Hier kommt es oft zu einer Reaktion, die dann eine Verklebung hervorruft. Häufig sind diese Verwachsungsstränge sogar mit Blutgefäßen und Nerven gefüllt. Einige normalerweise getrennte Organe werden miteinander fixiert.

Beschwerden und Folgen

In den meisten Fällen verursachen Verwachsungen überhaupt keine Beschwerden. Falls aber doch können sie erhebliche Beeinträchtigungen mit kurz- und langfristigen Folgen nach sich ziehen. Die Lebensqualität wird oft deutlich beeinträchtigt, zum Beispiel durch:

  • gynäkologische Beschwerden bis zur Unfruchtbarkeit
  • Darmverschluss
  • chronische Bauchschmerzen
  • Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten)
  • erhöhtes Risiko von Organverletzungen bei Nachoperationen

Ein deutlicher Zusammenhang besteht auch zwischen Verwachsungen und Unfruchtbarkeit, sodass es erst nach dem Lösen der Verwachsung zu einer Schwangerschaft kommt. Vor allem nach Ausschabungen oder Myomen können Verwachsungen innerhalb der Gebärmutterhöhle entstehen und Unfruchtbarkeit nach sich ziehen.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine sorgfältige und möglichst gewebeschonende Operationstechnik kann helfen, das Auftreten von Verwachsungen zu reduzieren. So treten zum Beispiel nach einer Bauchspiegelung durch einen minimalinvasiven Eingriff weit weniger Verwachsungen auf als bei einem herkömmlichen Bauchschnitt.

Die Forschung hat viele Ansätze untersucht, um diejenigen biologischen Prozesse zu reduzieren, die eine Verwachsung verursachen. Ziel ist immer, die Verklebungsreaktionen zu minimieren. Durch spezielle Filme, Gele und Netze, die am Ende einer Operation auf die Bauchfellwunden aufgetragen werden, können Organe auf mechanischem Weg voneinander getrennt gehalten werden. Auch verschiedene Flüssigkeiten, die am Ende der Operation im Bauchraum zurückgelassen werden, reduzieren Verwachsungen.

Die sogenannten lokalen Barrieremethoden bestehen aus unterschiedlichen Materialien, die auf die frischen Wunden aufgebracht werden und das Verkleben der Gewebeschichten verringern. Die Wirkung dieser Barrieremethoden hält nur über die Zeit an, in der diese Verklebungsreaktion sich ausbildet. Danach baut der Körper diese Substanzen wieder vollständig ab.