Fragen und Antworten

Prof. Dr. med. Burghard Schumacher, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 2, informiert.

Warum sind Sie für die Corona-Impfung?

Die Covid-19-Erkrankung ist aus mehreren Gründen eine furchtbare Erkrankung. Anders als bei der Influenza-Erkrankung wird bei Corona nicht nur die Lunge befallen, sondern sehr viele Organe, insbesondere die Gefäße. Wir haben auch sehr viele junge Patienten betreuen müssen, mit zum Teil fatalem Ausgang. Wir wissen bis heute nicht, warum die eine Gruppe von Patienten nur eine leichte Verlaufsform hat, die andere eine schwere. All das bestärkt mich in meiner Wahrnehmung, dass mit Covid nicht zu spaßen ist.

Wir haben mit der Impfung endlich die Möglichkeit einer effektiven, vorbeugenden Maßnahme. Man kann sich durch die Impfung selbst schützen und dazu beitragen, dass die Pandemie zum Ende kommt. Falls es trotzdem zu einer Infektion kommt, ist die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe oder infektionsassoziierter Komplikationen deutlich geringer.

Wir können ein klein bisschen dazu beitragen, wieder zurück zur Normalität zu kommen. Und ich glaube, da muss einfach jeder mitmachen.

Welchen Personengruppen sollten sich nicht impfen lassen?

  • Können Menschen mit Blutungsneigung oder einer Hemmung der Blutgerinnung geimpft werden? Ja, auch sie können die Covid-19-Impfung erhalten. Um die Gefahr von Einblutungen zu minimieren, sollte jedoch mit einer sehr kleinen Nadel geimpft werden. Im Anschluss sollte die Einstichstelle fest über mindestens zwei Minuten abgedrückt werden.
  • Können Schwangere oder Stillende geimpft werden? Für Schwangere oder stillende Mütter wird die Impfung derzeit nicht empfohlen. Es gibt keine Hinweise, dass der Impfstoff dem Fötus oder dem neugeborenen Kind schadet. Aber diese Gruppe ist in den Zulassungsstudien nicht untersucht worden.
  • Können Kinder geimpft werden? Die Zulassung gilt aktuell nur für Personen ab 16 Jahren, Zulassungsstudien für Impfungen von Kindern und Jugendliche laufen. Wir gehen davon aus, dass noch im Lauf des Frühjahrs die Zulassung für Kinder und Jugendliche erteilt wird.
  • Sollten immunsupprimierte Menschen geimpft werden? Ja, allerdings ist es möglich, dass sie nicht so gut darauf ansprechen.

Ab wann ist man nach der Impfung geschützt?

In der aktuellen Impfung werden zwei Impfdosen empfohlen. Nach der ersten Impfung ist zumindest ein teilweiser Schutz nach 2 Wochen zu erwarten. Nach drei Wochen sollte die zweite – sogenannte „Booster-Impfung“ – erfolgen. Nach Ablauf von weiteren zwei Wochen ist dann der Vollschutz erreicht.

Was passiert, wenn ich nur die erste Dosis erhalte?

Mit der ersten Dosis wird eine Impfwirksamkeit von 52 Prozent erzielt. Außerdem können schwere Verläufe reduziert werden. Kommt es nach Erhalt der ersten Dosis zu einer Infektion, ist keine zweite Dosis mehr erforderlich.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Das kann man momentan noch nicht genau sagen. Es hängt davon ab, wie sich der Virus durch Mutationen verändert. Der Mensch behält die Antikörper zwar im Körper. Es kann allerdings sein, dass sich die Antigene beim Virus durch Mutation so verändern, dass sie ihre Wirksamkeit verlieren. Wann das der Fall ist, lässt sich jetzt noch nicht vorhersehen.

Darf man zwischen unterschiedlichen Impfstoffen wechseln?

Davon wird abgeraten.

Welche Nebenwirkungen können im Zusammenhang mit der Impfung auftreten?

Mögliche Nebenwirkungen sind zum einen Reaktionen auf die Spritze wie Ohnmacht, Schweißausbruch, Übelkeit oder Erbrechen. Zum anderen kann es zu einer immunologischen Antwort auf die Impfung, also zu einer Entzündung, kommen. Möglich sind auch allergische Reaktionen auf die Inhaltsstoffe des Serums wie Atemnot, Schwellung von Gesicht oder Hals, Tachykardie, Hautausschlag auf dem gesamten Körper oder selten anaphylaktischer Schock.

Wie hoch ist das Risiko für Nebenwirkungen?

Bei bestimmten Personen kann das Risiko für Nebenwirkungen höher sein. Erwähnen Sie deshalb, wenn Sie

  • nach einer Injektion schon einmal ohnmächtig geworden sind.
  • hohes Fieber haben.
  • eine Blutungsstörung haben oder Blutverdünnungsmittel einnehmen.
  • immungeschwächt sind.
  • bereits eine andere Impfung gegen Covid-19 erhalten haben.

Worauf müssen Allergiker achten?

Es ist so, dass unter der Impfung mit dem Biontech/Pfizer Impfstoff tatsächlich allergische Reaktionen aufgetreten sind. Sie waren extrem selten: Etwa 1 von 100.000 geimpften Menschen hat eine allergische Reaktion entwickelt. Diese allergische Reaktion war ein Notfall, auf den man sofort reagieren muss.

Wenn man eine allergische Reaktion auf einen der Inhaltsstoffe des Impfserums hat, dann sollte man sich nicht impfen lassen. Wenn man ganz generell dazu neigt, allergisch zu reagieren, sollte man das mit dem Impfarzt besprechen und eine individuelle Risikoabwägung vornehmen.

Gibt es aus Ihrer Sicht berechtigte Sorgen, dass diese neue Form des Impfstoffes Einfluss auf unser Erbgut haben könnte?

Nein. Das kann man ganz klar verneinen. Das was bei der Corona-Impfung verwendet wird, ist eine sogenannte „messenger RNA“ (mRNA), die unser Körper in der Zelle auch hat. Die messenger RNA ist die Blaupause zur Herstellung eines Eiweißkörpers auf der Oberfläche des Virus. Diese Blaupause gelangt nicht in unseren Zellkern und kann nicht in unsere genetische Information, die DNA, eingebaut werden. Diese Sorgen sind unberechtigt.

Kann die Impfung Unfruchtbarkeit zur Folge haben?

Dazu gibt es überhaupt keine Hinweise oder Anhaltspunkte. Theoretisch ist das nicht denkbar.

Gelten die AHA-L Regeln auch, wenn man geimpft ist?

Auf jeden Fall. Letztlich kann auch über eine Schmierinfektion das Virus weitergegeben werden. Außerdem gibt es noch viele Menschen, die sich noch nicht gegen das Virus impfen lassen können. Zudem steht noch nicht genügend Impfstoff für alle zur Verfügung. Die allgemeinen Hygienemaßnahmen, Abstand halten, Händehygiene, Maske tragen, Lüften sind existentiell, gerade im Hinblick auf Nichtgeimpfte.

Wird es in naher Zukunft ein Medikament zur Bekämpfung von Corona geben?

Davon sind wir noch sehr, sehr weit entfernt. Es gibt zurzeit noch keine antivirale Therapie für Corona, die auch nur in der Nähe eines klinischen Einsatzes wäre.