08.06.2021 09:52 // Hirntumoren stellen Mediziner vor große Herausforderungen

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen sind Hirntumoren selten. Sie werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Doch die schwerwiegende Diagnose kann jeden treffen.

Priv.-Doz. Dr. med. Kajetan von Eckardstein

Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 8.000 Menschen an einem primären Hirntumor. Die Zahl der Patienten mit Hirnmetastasen infolge anderer Krebsleiden, wie Lungenkrebs oder Brustkrebs, ist ungleich höher.

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet 30 bis 40 unterschiedliche Typen von Tumoren im Gehirn. Die Bandbreite ist dabei groß, es gibt bösartige und auch sehr gutartige Tumore“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Kajetan von Eckardstein, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am Westpfalz-Klinikum.

Dort werden jährlich rund 90 Patienten mit gut- und bösartigen Hirntumoren operiert.

Mit dem im Jahr 2000 initiierten Welthirntumortag möchte die Deutsche Hirntumorhilfe mehr Aufmerksamkeit für diese seltenen Tumoren schaffen. Darüber hinaus soll der Tag die breite Öffentlichkeit für die oftmals schwierige Situation der Betroffenen sensibilisieren und Patienten umfassend über ihre Erkrankung informieren.

Hirntumoren stellen sowohl Mediziner als auch Betroffene vor besondere Herausforderungen. Vor allem die aggressiven, bösartigen Formen gehören zu den am schwersten zu therapierenden Krebserkrankungen und gelten trotz intensiver Behandlung bis heute als unheilbar.

Was die Behandlung schwierig macht, ist zum einen die Lage des Tumors im Gehirn.

„Das Gehirn hat einige hochspezifische Bereiche, deren Funktion von den Tumoren massiv beeinträchtigt werden können, etwa das Sprechen oder die Bewegung oder das Sehen“, erläutert Dr. von Eckardstein.

Zum anderen fordert die spezielle Biologie von Hirntumoren die Ärzte heraus.

„Bösartige Geschwulste wachsen fingerartig im Gehirn, da ist es dann auch nicht so einfach zu unterschieden, was ist Tumorgewebe und was ist normales Gewebe“, sagt er.

Neben leistungsfähigen Mikroskopen, die den Neurochirurgen zur Verfügung stehen, haben diese auch die Möglichkeit, Tumoren einzufärben, um sie besser identifizieren zu können.

„Zudem haben wir in den vergangenen Monaten ein so genanntes Tumorboard eingerichtet, bei dem sich alle beteiligten Spezialisten – Onkologen, Neurologen, Neuroradiologen und Neurochirurgen – austauschen und für den individuellen Patientinnen und Patienten eine Empfehlung geben, welche Behandlung die sinnvollste ist“, berichtet der Chefarzt.

Aktuelle und fundierte Informationen zu Diagnose, Therapie und Nachsorge sind wichtig, damit Betroffene angemessen mit der Krankheit umgehen können. Wissen bringt Sicherheit, kann die psychische Belastung durch die Diagnose Hirntumor verringern und die Lebensqualität erhöhen.

Die Deutsche Hirntumorhilfe hat sich seit über 20 Jahren bundesweit als zentrale Anlauf- und Kontaktstelle für Patienten und Angehörige etabliert. Mit kostenfreien Angeboten wie einem telefonischen Hirntumor-Informationsdienst, dem Sorgentelefon, regelmäßigen Hirntumor-Informationstagen und Informationsmaterialien versorgt die gemeinnützige Organisation Betroffene mit patientengerecht aufbereiteten Hinweisen rund ums Thema Hirntumor – verständlich, neutral und auf dem neuesten Stand der Forschung.

Auch zum Welthirntumortag 2021 erfahren Betroffene und Interessierte im Rahmen virtueller Sprechstunden, wissenschaftlicher Beiträge auf Internetplattformen und Audio-Vorträgen Wissenswertes zu medizinischen und sozialen Aspekten der komplexen Erkrankung. Weitere Informationen finden Sie hier.