01.10.2020 10:32 // „Wir können Blut nicht künstlich ersetzen“

Die Blutspendezentrale Saar-Pfalz ehrt Dauerspender Andreas Bernd aus Kaiserslautern - und sucht weiterhin dringend Nachwuchs.

Andreas Bernd spendet bereits zum 134. Mal Blut.

Blutspenden ist für Andreas Bernd eine Selbstverständlichkeit. Seit er volljährig ist, hat der 44-Jährige bereits 134-mal in der Blutspendezentrale Saar-Pfalz am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern Blut gespendet. Bis zu sechsmal jährlich ist er dort. „Schon mein Großvater und mein Vater waren fleißige Spender. Als Kind bin ich ab und zu mitgegangen. Das hat mich geprägt“, sagt der Kaiserslauterer. Was ihn anspornt, ist das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen. Darüber hinaus hat Bernd das Gefühl, dass ihm das Blutspenden auch selbst guttut. Jetzt bekam er für seinen treuen Einsatz eine Urkunde überreicht.

Zahl der Blutspenden ist rückläufig

Dauerspender wie Andreas Bernd sind inzwischen zur Rarität geworden. In den vergangenen Jahren sind viele zum Beispiel aus Altersgründen ausgeschieden. Und es mangelt an Nachwuchs. „Derzeit haben wir hier in Kaiserslautern pro Tag zwischen 10 und 20 Blutspenden zu verzeichnen. Vor vier Jahren waren es noch 40 bis 50“, sagt Dr. med. Alexander Patek, Ärztlicher Leiter der Blutspendezentrale. „Mittlerweile kommen wir in einen Bereich, die für die Versorgung bedenklich sind“, sagt Matthias Mudra, Geschäftsführer der Blutspendezentrale. An manchen Krankenhäusern im Saarland hätten sogar größere Operationen verschoben werden müssen, da nicht genügend Blutkonserven vorrätig gewesen seien, so Mudra.

Dabei ist Blutspenden so einfach: erst Hände desinfizieren, Fieber messen, anmelden, Formulare ausfüllen, ärztliche Untersuchung und Aufklärungsgespräch, dann Blut spenden. Die Blutspende selbst dauert nur etwa 15 Minuten. Für eine Blutspende werden circa 450 bis 500 Milliliter Blut entnommen. Die gespendete Menge gleicht der Körper schnell wieder aus. Von der Entnahme merkt der Spender fast nichts. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich noch 20 bis 30 Minuten auszuruhen. Zur Stärkung stehen kostenlose Snacks und Getränke zur Verfügung. Zudem erhält jeder Spender eine Aufwandsentschädigung.

Coronavirus verunsichert Spender

Doch auch wenn Blutspenden so einfach ist – die Spendenbereitschaft hat insbesondere bei jungen Menschen stark nachgelassen. Eine Entwicklung, die fast alle Blutspendedienste in Deutschland betrifft. Viele Menschen seien auch wegen des Coronavirus verunsichert, so Dr. Patek. Doch der Facharzt für Transfusionsmedizin versichert, dass der Besuch der Blutspendezentrale nicht mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko verbunden ist. Bei den Spendeterminen würden sehr hohe Hygienestandards eingehalten, sodass für den Blutspender keine Gefahr bestehe, sich mit einer Infektionskrankheit anzustecken.

Andreas Bernd hat sich auch in der Corona-Pandemie bei seinem Besuch in der Blutspendezentrale immer sicher gefühlt. Er habe eher Bedenken, in manches Geschäft zu gehen als zum Blutspenden, sagt er. Sein Appell: „Es braucht keiner Angst zu haben!“ „Doch wie lassen sich die Leute motivieren?“, fragt Mudra. Die Blutspendezentrale sucht händeringend nach regelmäßigen Spendern wie Andreas Bernd. Nur so können ausreichend Konserven gesammelt werden, um Unfallopfern und schwer kranken Menschen auch weiterhin zu helfen. „Wir können Blut nicht künstlich ersetzen“, sagt Mudra. Und Dr. Pattek ergänzt: „Blut muss gespendet werden, dafür brauchen wir Spender.“

Wer Blut spenden und Leben retten möchte, hat fast täglich Gelegenheit dazu: Die Öffnungszeiten der Blutspendezentrale Kaiserslautern sind montags, donnerstags und freitags von 7:30 bis 13:30 Uhr, dienstags und mittwochs von 12:00 bis 18:00 Uhr sowie jeden dritten Samstag im Monat von 9:00 bis 12:00 Uhr.