Invasive Leistungen der Kinderkardiologie

In Deutschland gibt es nur wenige Kliniken und Zentren, die auf invasive elektrophysiologische Untersuchungen spezialisiert sind. Seit fast 30 Jahren führen in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Westpfalzklinikums Kaiserslautern überregional diagnostische und interventionelle Herzkatheteruntersuchungen bei Säuglingen, Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern durch.

Ein Hauptteil der Untersuchungen sind zunehmend therapeutische Eingriffe ("Herzkatheterinterventionen"). Durch diese sehr aufwändigen Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen gelingt es häufig, den Kindern (weitere) Operationen am Herzen bzw den großen Gefäßen zu ersparen bzw. diese zunächst um mehrere Jahre zu verzögern.  

Eine Notfallversorgung instabiler Patienten mittels Herzkatheter ist 365 Tage im Jahr 24-stündig gewährleistet. Darüber hinaus wird für Kinder, die eine dringliche Herzkatheteruntersuchung bzw. eine Katheterintervention benötigen, über den Kontakt mit der Intensivstation ein Abholdienst durch kinderkardiologisch und intensivmedizinisch geschultes Personal angeboten.  

Zusammen mit den Kollegen der Inneren Medizin 2 stehen 3 hochmoderne Katheterlabore (inklusive 2er biplanarer Röntgenanlagen) zur Verfügung. Die exakte Auswertung der Daten erfordert Messungen unter gleichbleibenden Ausgangsbedingungen. Daher ist im Kleinkindesalter meistens eine Analgosedierung oder selten auch eine Vollnarkose erforderlich. Die Betreuung der Kinder erfolgt durch spezialisierte Kinder-Narkoseärzte. Bei älteren Kindern und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern kann die Katheteruntersuchung lediglich unter lokaler Betäubung vorgenommen werden.

Die Sondierung des Herzens und der herznahen Gefäße ist schmerzfrei, lediglich die Punktion der Leistengefäße zum Einführen der Katheter ist nicht völlig schmerzlos. Aus diesem Grunde erfolgt wie beim Zahnarzt eine lokale Betäubung in der Leiste.

Eine individuelle Absprache mit dem Patienten und den Eltern bezüglich der Sedierung/ Narkose oder lokalen Betäubung erfolgt mit dem untersuchenden Kinderkardiologen mindestens einen Tag vor der geplanten Untersuchung.  

Alle Untersuchungen werden unter OP-Bedingungen unter kontinuierlichem Einsatz moderner Monitorsysteme durchgeführt. Eine Teilnahme der Eltern an der Untersuchung beziehungsweise Behandlung im Herzkatheterlabor ist aus strahlenschutzrechtlichen Gründen leider nicht möglich.

Untersuchungen im Kinderherzkatheterlabor (ohne Elektrophysiologie)

Klassische diagnostische Links- oder Rechts-Herzkatheteruntersuchung zur detaillierten Evaluation der Anatomie und der hämodynamischen Situation von Patienten mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern beziehungsweise Beeinträchtigungen des Kreislaufsystems zur Planung einer medikamentösen oder operativen Behandlung.  

  • Reagibilitätstestung bei Vorliegen einer pulmonalen Hypertonie
  • Interventionelle Verschlüsse von Shuntvitien:
  • Vorhofseptumdefekt (ASD) – Verschluss
  • Persistierender Ductus arteriosus Botalli (PDA) – Verschluss
  • Persistierendes Foramen ovale Fenestrationsverschluss nach Fontan-Operation
  • Ballonatrioseptostomien (Rashkindmanöver)
  • Dilatation von Herzklappen- (Ballonvalvuloplastie) und Gefäßstenosen (Ballonangioplastie)
  • Einsetzen von Stents zur dauerhaften Beseitigung von Gefäßstenosen
  • Verschluss von abnormen Gefäßverbindungen und Gefäßmalformationen
  • Wiedereröffnung (Rekanalisation) von z.B. postoperativ thrombotisch verschlossenen Gefäßen
  • Entnahme von Myokardbiopsien
  • Diagnostische und interventionelle angiologische Untersuchungen und Behandlungen z.B. Angiographie der Nierenarterien (z.T. zusammen mit der Klinik für Radiologie Dr. Susanne Jochum) 

Die technische Weiterentwicklung der Katheter und Implantate wird ständig berücksichtigt. So werden heute nachdilatierbare Stents eingesetzt, die bei weiterem Wachstum der Kinder eine Nachdehnung ermöglichen, um eine ausreichende Weite des Gefäßes bis ins Erwachsenenalter sicher zu stellen.  

Ansprechpartner
Privatdozent Dr. med. Thomas Kriebel, Dr. med. Jutta Pohler
Tel.: 0631 203-1370

 

 

Invasive Elektrophysiologie

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Westpfalz-Klinikums erfolgt die überregionale Diagnostik und Therapie von sämtlichen angeborenen und erworbenen Herzrhythmusstörungen bei Neugeborenen und Säuglingen, Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern.

Durch den Einsatz von modernen Röntgenanlagen sowie innovativer 3-D-Mapping-Verfahren (CARTO-Merge, LocaLisa) bestehen optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Diagnostik und Therapie der Herzrhythmusstörungen mit minimaler Strahlenbelastung.

Die Betreuung und invasive Diagnostik und Therapie erfolgt durch speziell geschulte Kinderärzte, die auf die speziellen Probleme des Kindesalters eingehen.  

Leistungsspektrum

Invasive elektrophysiologische Untersuchung und Ablation mittels Hochfrequenzstromtechnik und/ oder Kryoenergie:

  • Supraventrikuläre Tachykardien
  • WPW-Syndrom, "verborgene" Leitungsbahnen
  • AV-Knoten-Reentrytachykardien
  • Fokale atriale Reentrytachykardien
  • Vorhofflattern
  • Junctionale ektope Tachykardien
  • Ventrikuläre Tachykardien
  • Idiopathische Ausflusstrakttachykardien
  • Linksfaszikuläre ventrikuläre Tachykardien (Typ Belhassen)
  • Diagnostik und Therapie von komplexen Herzrhythmusstörungen u.a. bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern
  • Postoperative atriale Reentrytachykardien
  • Postoperative ventrikuläre Reentrytachykardie
  • Invasive elektrophysiologische Untersuchung zur Risikostratifizierung für das Auftreten von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (mit Isoprenalinprovokation; Ajmalin- und Epinephrintest)
  • Implantation passagerer Schrittmacherelektroden
  • Implantation von Event-Recordern (in Ausnahmefällen)  

Ansprechpartner

PD Dr. med. Thomas Kriebel  
Tel.: 0631 203-1370