Infos zur Osteoporose

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, bei der das Gleichgewicht der Knochenregeneration gestört ist. Es kommt zu einer Abnahme der Knochenfestigkeit und der Knochenmasse.

Definition: "Systemische Skeletterkrankung mit niedriger Knochenmasse und insuffizienter Mikroarchitektur des Knochengewebes, verbunden mit Knochenbrüchigkeit und erhöhter Bruchneigung"

Osteoporose ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und betrifft vorwiegend Frauen ab dem 40. Lebensjahr. Frauen sind deutlich häufiger (80 %) von Osteoporose betroffen als Männer; dabei leiden jede dritte Frau nach den Wechseljahren und jeder fünfte Mann nach dem 50. Lebensjahr an Osteoporose!

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Osteoporose. Zur wesentlich häufigeren primären Osteoporose zählen die postmenopausale (oder postklimakterische) Osteoporose und die Altersosteoporose (Involutionsosteoporose). Die sekundäre Osteoporose tritt unter anderem als Folge von Stoffwechselerkrankungen oder hormonellen Störungen auf. Mittlerweile entstehen aufgrund durch Osteoporose verursachte direkte und indirekte Folgekrankheiten volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

Risikofaktoren für Osteoporose
  • Verminderte Knochendichte
  • Alter
  • Geschlecht
  • niedriger "Body Mass Index" (BMI) = Untergewicht / Mangelernährung (Eiweißmangel!)
  • vorausgegangenes "Niedrig-Energie-Trauma" mit Knochenbruch
  • bekannter Oberschenkelhalsbruch in der Familie
  • Rauchen
  • Alkoholismus
  • Behandlung mit Kortison
  • Rheumatoide Arthritis
  • Erhöhte Knochenumbaumarker
Klinische Risikofaktoren für Knochenbrüche
  • Alter und Geschlecht
  • niedriger "Body Mass Index" (BMI)
  • vorausgegangenes "Niedrig-Energie-Trauma" mit Knochenbruch
  • Oberschenkelhalsbruch in der Familienanamnese
  • Kortisontherapie (über 5 mg Prednison tgl. über mindestens 3 Monate)
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • sekundäre Ursachen der Osteoporose (Rheumatoide Arthritis, Hypogonadismus, Entzündliche Darmerkrankungen)
  • längere Immobilität
  • Organtransplantation
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Schilddrüsenüberfunktion (= Hyperthyreose)
  • Chronisch obstruktive Lungenkrankheit ("Asthma" bzw. COPD)

Basis-Diagnostik

  1. Spezifische Anamnese und Befunderhebung 
    Untersuchung des Patienten mit Erfassung von bestehenden Erkrankungen, Knochenbrüchen in der Vorgeschichte sowie Berücksichtigung der Medikamenteneinnahme.
  2. DXA-Knochendichtemessung
    Zur Diagnose wird die Knochendichtemessung herangezogen, bei der der T-Wert ermittelt wird. Dies ist ein statistischer Wert, der einen Vergleich des gemessenen Knochendichtewertes mit der Population junger erwachsener Frauen und eine Aussage zum Bruchrisiko ermöglicht. Die Messung der Knochendichte (BMD - engl. für bone mineral density) erfolgt mit der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA oder DEXA - engl. dual-energy-x-ray-absorptiometry).
    Die messtechnische Diagnosestellung einer Osteoporose beruht weltweit auf der DXA-Messung: T-Score =/< 2,5 SD der Lendenwirbelsäule und des Femurhalses. Nur bei multiplen typischen osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen im konventionellen Röntgen ist ein Verzicht auf die DXA-Messung vor Therapieeinleitung sinnvoll.
    Zurzeit wird die Knochendichtemessung als "Screening" noch nicht für alle postmenopausalen Frauen empfohlen. Die DXA-Messung wird derzeit allen Frauen ab dem 60. Lebensjahr mit mehreren Risiken und allen Frauen ab dem 70. Lebensjahr auch ohne Risiken empfohlen. Niedrig-Energie-Knochenbrüche sind unabhängig vom Lebensalter eine Indikation zur weiteren Abklärung. 
    Die Messung der Knochendichte zur Früherkennung ist keine Leistung der gesetzlichen Kassen; der Versicherte muss sie selbst bezahlen, wenn kein Knochenbruch ohne Unfall (Ermüdungsbruch) bei Verdacht auf Osteoporose vor der Messung vorliegt.
  3. Laborchemisches Screening 
    Kleines Blutbild, BSG / CRP; im Serum Kalzium, Phosphat, Kreatinin, Alkalische Phosphatase, Transaminasen, TSH, Albumin; nur bei entsprechender Indikation sind weitere Serumtests sinnvoll.
  4. Konventionelle Röntgenuntersuchung 
    Ggf. Röntgenuntersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule zur Bruchabklärung.
Osteoporotische Frakturen: eine unfallchirurgisch-orthopädisch-anästhesiologische Herausforderung!

Während in der Vergangenheit vorwiegend sturzbedingte Brüche des Oberschenkelhalses und des proximalen Oberschenkels prothetisch und mittels Osteosynthese zu versorgen waren, treten in letzter Zeit zusätzlich und in großem Umfang sturzbedingte Brüche des Handgelenkes, des Oberarmes, der Wirbelsäule wie auch komplexe Beckenbrüche auf, nicht zu vergessen die spontanen Sinterungsbrüche der Brust- und Lendenwirbelsäule, des Beckens und des Oberschenkelhalses ohne Sturzereignis.

Allen osteoporosebedingten Brüchen gemeinsam ist die schlechte Knochenqualität, die mit den in der Vergangenheit verwendeten Implantaten nicht oder nur unzureichend zu versorgen waren, da sie keinen ausreichenden Halt im weichen und bruchgefährdeten Knochen erzielen konnten. Insbesondere war weder eine Übungs- noch Belastungsstabilität erreichbar, so dass sich aufgrund der mangelhaften postoperativen Mobilisierbarkeit der Patienten vielfältige Probleme ergaben.

Erst moderne Prothesen- und Nagelsysteme sowie winkelstabile Implantate an den Extremitäten und am Becken ermöglichten:

  • eine frühfunktionelle Nachbehandlung ohne ruhigstellende Verbände
  • direkte postoperative Vollbelastbarkeit oder zumindest Übungsstabilität
  • Frühmobilisierung der Patienten
  • drastische Minderung der postoperativen Komplikationen (Thrombose, Embolie, Dekubitus)

Im Bereich der Wirbelsäule fanden die Vertebroplastie, die Ballon-Kyphoplastie sowie verbesserte Wirbelsäulenimplantate Eingang in die routinemäßige Versorgung.

Das Alter der Patienten einschließlich ihrer oftmals schweren Begleiterkrankungen stellt eine große Herausforderung an alle beteiligten Fachdisziplinen. Eine sorgfältige präoperative Vorbereitung, der Einsatz modernster Anästhesieverfahren wie auch eine ggf. postoperative intensivmedizinische Betreuung sind obligat und erhöhen den medizinischen Gesamtaufwand zunehmend sowohl in personeller wie materieller Hinsicht.

Konservative Therapie

Bei der Behandlung der Osteoporose unterscheiden wir die Prophylaxe von der Therapie der manifesten Osteoporose: siehe Leitlinie zur Behandlung der Osteoporose (externer Link)

Prophylaxe

Zur Prophylaxe wie auch zur Behandlung der manifesten Osteoporose gehört eine "Basis-Therapie" als Grundlage, die folgende Punkte umfasst:

  • körperliche Aktivität mit Gymnastik zur Stärkung der Muskulatur, Koordination (= Minderung der Fallneigung!) und Verbesserung des Allgemeinzustandes
  • Kalziumzufuhr (mindestens 1000 mg/Tag)
  • Vitamin-D-Zufuhr (mindestens 800 IE/Tag); zusätzlich ausreichende Sonnenlichtbestrahlung
  • ggf. Verwendung von Hüftprotektoren (Schenkelhalsbruch-Prophylaxe)
  • ausreichende und ausgewogene Ernährung (BMI über 20; mindestens tgl. Eiweißzufuhr von 1g/kg Körpergewicht)
  • Vermeidung von Nikotin und Alkohol
Medikamentöse Behandlung der manifesten Osteoporose

Für die spezifische medikamentöse Therapie der Osteoporose steht heute eine Vielzahl effektiver Substanzen zur Verfügung. Sie wirken entweder antiresorptiv (= Minderung des Knochenabbaus) oder osteoanabol (= Steigerung des Knochenaufbaus), verfolgen aber gleiche Ziele:

  • Optimierung des Knochenumbaus
  • Steigerung der Knochenmasse
  • Verbesserung der Knochenqualität
  • Verminderung des Knochenbruchrisikos (Wirbelsäule, Oberschenkelknochen etc.)

Nach den aktuellen Leitlinien des DVO werden heute folgende Substanzgruppen empfohlen:

  • Stickstoffhaltige Biphosphonate (BP)
    Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zolendronat
  • Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERMs)
    Raloxifen
  • Strontiumranelat
  • Parathormon-Peptide

Andere Medikamente wie Kalzitonin, Hormonersatztherapie (HRT), Etidronat, Vitamin-D-Derivate und Clodronat werden nur noch als zweite Wahl erachtet.

Für alle Präparate ist eine Verminderung von Wirbelkörperfrakturen nachgewiesen; für Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Strontiumranelat,Teriparatid (PTH) ist auch eine Verminderung peripherer Knochenbrüche (mit Hüfte) nachgewiesen.
Zur Behandlung der Osteoporose des Mannes ist nur Alendronat zugelassen (Verminderung von Wirbelkörperfrakturen).

Die medikamentöse Therapie sollte mindestens 3 bis 5 Jahre andauern; anschließend Reevaluation anhand der Leitlinien und Entscheidung über eine Weiterbehandlung. Die Effektivität einer antiresorptiven Therapie mit Biphosphonaten (BP) ist in Langzeitstudien bis zu 10 Jahren belegt. Nach Absetzen einer BP-Therapie ist mit einer positiven Nachwirkung von mehreren Jahren zu rechnen.