Tumor-Chirurgie (Knochen bzw. Weichteile)

Die Diagnose und Behandlung von Tumoren des Knochens sowie Bindegewebetumoren setzt hochspezielles Fachwissen voraus, da die Tumoren sehr selten sind und die Prognose bei den bösartigen Formen von einer schnellen Diagnostik und Therapie abhängig ist. Insbesondere sind beim chirurgischen Vorgehen zur Gewinnung von Gewebe für die feingewebliche (= histologische) Untersuchung sowie der definitiven Therapie unter allen Umständen die strengen und standisierten Richtlinien der Tumorchirurgie einzuhalten, um ein für den Patienten optimales Ergebnis zu erzielen.

Daneben spielt die Behandlung von Tumorabsiedelungen (= Metastasen) im Skelettsystem, seltener in den Weichteilen, eine zunehmende Rolle. Bevorzugt sind die Wirbelsäule und großen Röhrenknochen von Oberarm und Oberschenkel betroffen und bedürfen bei Schmerzen und Bruchgefahr des Knochens einer operativen Behandlung. Einzelne Metastasen (Solitär-Metastase) werden unter kurativen Aspekten vollständig entfernt; anschließend ist eine Knochenrekonstruktion mittels Knochentransplantation, Kallusdistraktion oder Verbundosteosynthese (s.u.) erforderlich.

Wir unterscheiden folgende Tumorformen:

  • Primär gutartige Tumoren
  • Primär bösartige Tumoren
  • Potenziell bösartige Tumoren
  • Absiedelungen ( = Metastasen ) anderer Tumoren
  • Tumorähnliche Knochenprozesse

Zu unterscheiden ist neben dem "biologischen Verhalten" (s.o.) auch die gewebliche Herkunft des einzelnen Tumors, die in das Diagnostik- und Therapiekonzept mit einbezogen werden muss:

  • Knochen
  • Knorpel
  • Knochenmark
  • Muskulatur
  • Gefäß-/Nerven- und Fettgewebe

Während die Behandlung sicher gutartiger Tumoren konservativ oder lokal operativ erfolgt, benötigt die Behandlung primärer bösartiger Prozesse sowie die Metastasenabsiedelung die Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete mit ihren entsprechenden Therapieansätzen (= multimodale Therapie). Die nicht-operative Diagnostik und Behandlung obliegt den Onkologen (Chemotherapie) und Radiologen (Strahlentherapie). Kommt eine operative Behandlung in Betracht, sind Unfallchirurgen, Orthopäden und Neurochirurgen gefragt. Bereits während des stationären Aufenthaltes beginnt eine intensive Physiotherapie, poststationär eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung mit Krankengymnastik, falls erforderlich Orthopädiemechanik und sozial reintegrierende Maßnahmen.

Diagnostik

Besteht der Verdacht eines Weichteil-/Knochentumors oder wurde i.R. anderer Untersuchungen ein solcher zufällig festgestellt, muss die weitere Diagnostik schnellstmöglich eingeleitet werden:

  • Anamnese / Klinische Untersuchung
  • Konventionelle Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen (ggf. konventionelle Röntgen-Schichtaufnahmen)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraumes
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)
  • Knochenszintigramm
  • Weichteil-/Knochenbiopsie

Lässt sich die Art des Tumors radiologisch nicht sicher darstellen oder besteht der Verdacht auf eine Entartung eines primär gutartigen Prozesses, erfolgt eine Probenentnahme des Tumors (= Inzisionsbiopsie), die nach ganz speziellen Richtlinien zu erfolgen hat, um die weiteren therapeutischen Maßnahmen nicht zu behindern oder das Leben des Patienten zu gefährden (Verschleppen von Tumorzellen lokal oder diffus).

Konservative Therapie

Bestimmte gutartige Knochenprozesse mit Hohlraumbildung (= Cyste) zeigen auch unter konservativer Therapie ein spontanes Ausheilen; sie werden lediglich im Verlauf beobachtet. Bei Brüchen im Cystenbereich kommt es durch die Einblutung und Knochenbildung zur spontanen Ausheilung. Auch Knochenvorsprünge (= Exostosen) stellen i.d.R. keine Operationsindikation dar, sofern sie nicht durch Druck auf umliegende Strukturen zu Schmerzen führen. Ist es bei einem bösartigen Tumor zu einer Streuung der Tumorzellen (= Metastasierung) gekommen, werden lokale Metastasen in den Knochen – sofern sie keine Bruchgefahr darstellen – zunächst bestrahlt und/oder chemotherapiert.

Operative Therapie

Ziel der operativen Therapie ist grundsätzlich die vollständige Entfernung des Tumors aus dem Knochen und ggf. den umgebenden Weichteilen. Gutartige Knochentumoren werden über Knochenfenster komplett ausgeräumt und mit Eigenknochen (= Spongiosa) aus dem Beckenkamm aufgefüllt. Bei bestimmten Tumorformen ist es, um Neubildungen (= Rezidiv) besser erkennen zu können, notwendig, den entstandenen Hohlraum mit Knochenzement aufzufüllen. Zeigen die Röntgenverlaufskontrollen keine Tumorneubildung, wird der Knochenzement in einer zweiten Operation wieder entfernt und durch Spongiosa ersetzt. Sind die Knochentumoren sehr groß, wird zusätzlich eine winkelstabile Plattenosteosynthese zur Verhinderung eines Knochenbruches durchgeführt.

Bösartige primäre Knochentumoren erfordern sehr spezielle und zum Teil aufwändige operative Vorgehensweisen, die vom Gewebeursprung abhängen. Da die Tumoren sehr selten sind, wird ihre Behandlung in hochspezialisierten Zentren durchgeführt, um ein maximal gutes Ergebnis für den Patienten zu erzielen. Bei sicheren Einzelmetastasen im Bereich der Wirbelsäule oder der Extremitäten erfolgt eine En-bloc-Resektion von Knochen und Weichgewebe und der Knochenersatz entweder durch metallische Implantate, eigenen Knochen oder an den Extremitäten wird nach primärer Verkürzung über eine Kallusdistraktion wieder die ursprüngliche Knochenlänge hergestellt. Bei metastasierenden Tumoren mit Gefahr des Knochenbruches oder bereits eingetretener pathologischer Fraktur wird eine Stabilisierung mittels Nägeln oder Platten durchgeführt. Anschließend werden die Metastasen bestrahlt und/oder chemotherapiert.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab: Bei gutartigen Tumoren, die konservativ behandelt werden, erfolgen regelmäßige klinische und radiologische Nachkontrollen bis zur sicheren Ausheilung. Bei gutartigen Tumoren und operativer Behandlung richten sich die Nachkontrollen nach dem durchgeführten Operationsverfahren; unter Umständen ist eine weitere Operation zur Entfernung von vorübergehend eingebrachtem Knochenzement erforderlich mit in gleicher Sitzung Auffüllen des Knochendefektes mit körpereigenem Knochen aus z.B. dem Beckenkamm. Die Nachbehandlung bei bösartigen Prozessen ist sehr komplex und richtet sich in erster Linie daran aus, ob der Tumorprozess im Gesunden entfernt werden konnte oder ob es sich um eine nicht heilende Maßnahme (= palliativ) gehandelt hat.