Revisions-Endoprothetik (durch Lockerung, Infektion, Knochenbruch)

Die Haltbarkeit eines künstlichen Gelenkersatzes ist von vielen Faktoren abhängig:
Schulter- und Sprunggelenk-Prothesen lockern sich schneller als Hüft- und Kniegelenk-Prothesen. Bei jungen Patienten ist aufgrund des erhöhten Aktivitätgrades ebenfalls mit einer rascheren Lockerung zu rechnen. Im Alter, insbesondere bei schwerer Osteoporose, kommt es zu einer Minderung des Knochen-Prothesen-Kontaktes oder die Verbindung zwischen Knochenzement und dem Knochen lockert sich aufgrund des Knochenabbaus. Abriebpartikel der Prothesenanteile, insbesondere Kunststoffteilchen (Polyaethylen) der Pfannen-Inlays führen bekanntermaßen zu einer erhöhten Lockerung durch Abbau des gelenknahen Knochens ("Teilchenkrankheit"). Auch der verwendete Prothesentyp spielt eine Rolle bei der Dauer der Haltbarkeit.

Wir unterscheiden Früh- von Spätlockerungen. Erstere treten i.d.R. schon nach wenigen Wochen auf, letztere erst nach vielen Jahren.

Wichtig ist das frühzeitige Erkennen einer beginnenden Prothesenlockerung. Zu spätes Feststellen oder langes Warten bei bekanntem Befund verschlechtert die lokale Knochensituation rasch und kann im Extremfall nicht mehr mit einer Revisionsprothese versorgt werden.

Diagnostik

Aufgrund der zum Teil sehr diffusen Beschwerdesymptomatik, die von den Patienten angegeben wird, ist es um so wichtiger, im Vorfeld eine subtile Diagnostik durchzuführen, um den Grund der Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu beweisen. Eine Klärung erst während einer Operation ist unbedingt zu vermeiden!

  • Ausführliche Anamnese des bisherigen Beschwerdeverlaufs
  • Klinische Untersuchung
  • Konventionelle Röntgenaufnahmen der Gelenkprothese in zwei Ebenen
  • Verlaufsbeurteilung von Röntgenvoraufnahmen mit den aktuellen Röntgenbildern
  • Laboruntersuchung ("Entzündungslabor": Leukozyten, CRP)
  • Computertomographie (CT)
  • Knochenszintigraphie
  • Gelenkpunktion mit bakteriologischer und histologischer Untersuchung des Punktates; Gramfärbung als "Schnelltest"; ggf. Arthroskopie des Gelenks (Kniegelenk) mit Materialgewinnung für bakteriologische/histologische Untersuchungen

Metall-/Knochenzement-Allergie

Liegt möglicherweise der Grund für unklare postoperative Endoprothesenschmerzen bei einer möglichen Allergiereaktion auf Metall- und/oder Knochenzementbestandteile, erfolgt eine präoperative hautärztliche Allergietestung (Epicutantestung):

  • Metall-Komponenten: Nickel, Kobalt, Chrom, Mangan, Molybdän, Vanadium, Titan
  • Knochenzement-Komponenten: Gentamycin, Benzoylperoxid, Hydrochinon, NN-Dimethyl-p-Toluidin, Methylmethacrylat (MMA), 2-Hydroxy-Ethyl-Methacrylat (HEMA), Kupfer(II)Sulfat

In den unteren drei Abschnitten informieren wir Sie über unsere Vorgehensweise bei den unterschiedlichen Endoprothesenkomplikationen.

Aseptische Prothesenlockerung

Hüftprothesen-Wechsel

Lockerungen der implantierten Hüftprothese machen sich durch Schmerzen in der Leiste und im Oberschenkel der betroffenen Seite bemerkbar. Schmerzausstrahlung in das Gesäß, in die Lendenwirbelsäule und das gleichseitige Kniegelenk sind oft zusätzlich zu finden. Äußerlich ist das Hüftgelenk aufgrund des dicken Weichteilmantels in der Regel nicht verändert, kann aber bei Metallabrieb (= Metallose) eine dunkle bis sogar schwarze Verfärbung aufweisen. Bewegungsumfang und Belastbarkeit nehmen stetig ab.

Abgenutzte Kunststoff-Inlays werden unter Belassen der sonst festen Prothesenkomponenten belassen. Brüche von Keramik-Inlays oder Keramik-Köpfen sind eine Rarität und werden ebenfalls durch Wechsel auf neue Keramikkomponenten (Spezialköpfe mit Metallsockel) behoben. Bei der Lockerung einer zementfrei implantierten Hüftgelenk-Prothese werden die gelockerten Komponenten (Pfanne und/oder Prothesenstiel) entfernt und i.d.R. durch zementfreie Prothesenkomponenten ersetzt.

Bei zementierten Hüftgelenk-Prothesen muss nach Entfernung der Prothesenkomponenten der noch im Knochen verbliebene Knochenzement vollständig entfernt werden, was sich teilweise als recht schwierig erweisen kann. Zum Ersatz der Pfanne stehen unterschiedlich geformte zementfreie Pfannenträger zur Verfügung, die ggf. noch mit Schrauben am Beckenknochen befestigt werden. Das Inlay besteht entweder aus Kunststoff (Polyaethylen) oder Keramik. Der Revisionsprothesenschaft wird i.d.R. zementfrei implantiert. Es gibt ihn in verschiedenen Längen oder als modulares System.

Sollten große Knochendefekte am Beckenknochen im Bereich der ehemaligen Hüftpfanne oder im Bereich des oberen Oberschenkelknochens vorliegen, so kommt der Einsatz von Spezialprothesen in Frage. Teilweise werden diese von den Firmen nach Maß individuell für den betreffenden Patienten hergestellt. 

Knieprothesen-Wechsel

Lockerungen der Knieprothese imponieren durch Schmerzen im Kniegelenk mit Schwellung, Ergussbildung und teilweise auch Rötung und Überwärmung, so dass die Unterscheidung zu einem Kniegelenkinfekt manchmal sehr schwierig sein kann. Auch Instabilitäten des Kniegelenks weisen auf Defekte der Prothese oder des Knochens hin. Der Bewegungsumfang wie auch die Belastbarkeit des Kniegelenks nehmen ab.

Die Abnutzung oder Zerstörung des Polyaetylen-Plateaus der Knieprothese werden durch den Ersatz desselben behoben, sofern keine Lockerung der übrigen Komponenten vorliegt. Bei der Lockerung einer zementfrei implantierten Kniegelenk-Prothese werden die gelockerten Komponenten (Femur- und/oder Tibiakomponente) entfernt und in der Regel durch zementierte Komponenten ersetzt. Bei den zementierten Knieprothesen ist die Entfernung der Komponenten wie auch des Zementes eher unproblematisch, sofern sich nicht große Zementmengen bei Langstielprothesen im Markraum des Ober- und Unterschenkelknochens befinden oder große Knochendefekte vorliegen. Die Entfernung zementfreier Prothesenkomponenten führt dagegen wesentlich häufiger zu intraoperativen Knochendefekten und ist wesentlich anspruchsvoller.

Die komplette Prothesenauslockerung mit Defektsituation am Knochen wie auch am Kapsel-Band-Apparat des betroffenen Kniegelenks machen die Implantation von zementierten teil- und vollgekoppelten Revisions-Modellen erforderlich, die meistens zementiert eingebracht werden. Zementfreie Systeme erfüllen zur Zeit noch nicht die Anforderung der Langzeitfestigkeit.

Sollten große Knochendefekte am Ober- oder Unterschenkelknochen im Bereich der ehemaligen Knieprothese vorliegen, so kommt der Einsatz von Spezialprothesen in Frage. Diese können den gesamten unteren Oberschenkel und/oder den oberen Unterschenkel ersetzen.

Prothesenlockerung (aseptisch)

Sofern bei einer gelockerten Knieprothese eine intakte Seitenbandführung mit ausreichender Stabilität vorhanden ist, kann nach Entfernung der gelockerten Prothese erneut ein ungekoppelter Oberflächenersatz (z.B. "e.motion Revision"®, Fa. B BRAUN AESCULAP) implantiert werden. Bereits vorliegende oder bei der Explantation entstehende Knochendefekte können mit anschraubbaren Titanblöcken, sog. "Wedges", aufgefüllt werden. Je nach Situation werden entsprechend dimensionierte Prothesenstiele verwendet. Die Reimplantation kann zementfrei oder zementiert erfolgen; eine computernavigierte Implantation (OrthoPilot®, Fa. B BRAUN AESCULAP) ist möglich und erleichtert bei Defektsituationen die anatomische Reorientierung erheblich.

Prothesenlockerung und Bandinstabilität

Liegen neben einer Lockerung der implantierten Knieprothese auch ein instabiler Kapsel-Band-Apparat vor, ist die Reimplantation einer ungekoppelten Knieprothese aus Stabilitätsgründen nicht möglich. Nur bei alleiniger vorderer und hinterer Kreuzbandinstabilität kann eine teilgekoppelte Knieprothese verwendet werden; liegt zusätzlich eine mangelhafte Seitenbandführung (innen und/oder außen) vor, sollte unbedingt eine gekoppelte Knieprothese implantiert werden, da es sonst zu Verrenkungen (= Luxation) der Knieprothese mit Nerven- und Gefäßschäden kommen kann. Außerdem besteht in solchen Fällen eine chronische Gelenkinstabilität mit starker Behinderung des Gehens und fortdauernden Schmerzen. Die heutigen sog. "Rotations-Scharnier-Gelenkprothesen" neuester Generation (z.B. EnduRo®, Fa. B BRAUN-AESCULAP) erlauben nicht nur einen vollen physiologischen Bewegungsumfang bei Streckung und Beugung, sondern bieten durch ihre Drehkomponente eine Entlastung der Prothesenstiele, was die Haltbarkeit erheblich verbessert. Eine zementfreie oder zementierte Implantation ist möglich.

In speziellen Fällen kommt neben dem Ersatz der gelockerten Knieprothese auch die Versteifung (= Arthrodese) des Gelenks in Frage. Dies gilt insbesondere dann, wenn aufgrund von Bettlägrigkeit keine besondere Anforderung an die Gelenkbeweglickeit gestellt wird und die schmerzfreie Lagerung des Patienten im Vordergrund steht. Diese sog. "Arthrodesenägel" können zementfrei oder zementiert werden – die zementierte Variante kommt bei den i.d.R. alten Patienten aufgrund der ausgeprägter Osteoporose daher standardmäßig zur Anwendung.

Prothesenlockerung und große Knochendefekte

Große Knochendefekte nach mehrfachen Voroperationen oder Instabilität der gelenkbildenden Knochenanteile von Ober- und Unterschenkelknochen durch Knochenbrüche mit Lockerung der implantierten Knieprothese stellen den Operateur vor erhebliche Probleme. Je nach Ausgangsbefund muss der Knochenverlust zum Erhalt der Kniefunktion und der Beinlänge durch eine Sonderprothese ausgeglichen werden. Die präoperative Planung entscheidet, ob vorkonfektionierte Prothesen oder sogar Sonderanfertigungen erforderlich sind. Eine zementfreie oder zementierte Implantation ist möglich und hängt maßgeblich von der vorhandenen Knochenqualität ab.

Implantatversagen

Durch stetige Verbesserungen der metallischen sowie Kunststoffmaterialien konnte die Standfestigkeit der implantierten Knieprothesen dauernd verbessert werden und ist weiterhin ständiges Objekt der Forschung und Weiterentwicklung. Bei älteren Prothesen stehen insbesondere der Polyaethylen-Inlay-Verschleiß und Brüche von Kopplungsmechanismen bei gekoppelten Knieprothesen im Vordergrund; der Bruch einer metallischen Komponente ist eher als Rarität anzusehen, aber in seinem Erscheinungsbild sehr beeindruckend.

Schulterprothesen-Wechsel

Aseptische Lockerungen einer Schulterprothese fallen relativ schnell durch Schulterschmerzen und eine rapide Verschlechterung der Schulterbeweglichkeit mit Schwellung und Ergussbildung auf. Seltener sind Rötungen und lokale Überwärmung. In solchen Fällen ist eine Abgrenzung zu einem Schulterprotheseninfekt meistens sehr schwierig.

Schulterprothesenwechsel erfolgen in der Regel aufgrund einer aseptischen Lockerung der Gelenkpfanne oder des Prothesenstiels. Früher wurden relativ lange zementierte Prothesenstiele eingesetzt, deren Entfernung viel Erfahrung voraussetzt, um eine Zerstörung des dünnen Oberarmknochens zu vermeiden und die Implantation eines Revisionsprothesenstiels zu erlauben. Weiterhin sehr schwierig ist die Lösung der Gelenkpfannenlockerung mit begleitendem Knochenverlust. Der Ersatz des Knochens am Schulterblatt (zweizeitige Operation) ist sehr aufwändig und auch nicht in allen Fällen möglich.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einem Endoprothesenwechsel hängt von der Lokalisation (obere/untere Extremität), der Art der Verankerung (zementiert/zementfrei) und der Art der Prothese ab. Teilweise ist eine sofortige Vollbelastung möglich, in den meisten Fällen aber zumindest eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit Teilbelastung. Begleitend erfolgt eine frühzeitige postoperative Physiotherapie sowie eine sich an den Krankenhausaufenthalt anschließende ambulante oder stationäre Rehabilitätsbehandlung.

Nachsorge

Gerade nach Endoprothesenwechseloperationen ist eine weitere ärztliche Verlaufskontrolle unabdingbar, um die erfolgreiche Protheseneinheilung zu überwachen und um frühzeitig eingreifen zu können, sollte sich Komplikationen wie eine erneute Lockerung zeigen.

Prothesen-Infektion

Die schwerwiegenste Komplikation nach Implantation einer Endoprothese stellt deren Infektion dar. Wir unterscheiden folgende Infektionsarten:

  • Früh-Infektion
    Protheseninfektion innerhalb weniger Wochen nach der Implantation
  • Spät-Infektion
    Protheseninfektion Monate bis Jahre nach der Implantation
  • "Low Grade-Infektion"
    Schleichende Protheseninfektion ohne akuten Verlauf

Hauptkeime sind Staphylokokken und Enterokokken, die entweder während der Operation oder später entlang von Drainagen oder über die Blutbahn an die implantierte Prothese gelangen.

Klinische Zeichen der Protheseninfektion sind Hautrötung, Schwellung und Ruhe-/Bewegungsschmerz. Im Labor kommt es zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leucocyten) und des CRP (C-reaktiven Proteins). Radiologisch muss keine Veränderung der Prothesenlage oder des Knochens vorliegen (schleichender Infekt, Frühstadium); später kommt es aber in der Regel zu Auflösungen des Knochens (= Osteolysen) mit oder ohne Lockerung der Prothese. Die Knochenszintigraphie zeigt eine vermehrte Aktivität im Prothesenbereich (= unspezifisch!). Auch unklare Hautausschläge im Bereich des Armes oder Beines können (nach Auschluss einer Allergie) ein Hinweise auf eine "Low Grade-Infektion" sein.

Die alleinige antibiotische Therapie ist keine Therapieoption, sondern verschleiert und verzögert den Behandlungsverlauf zu Lasten des Patienten.

Beim Frühinfekt erfolgt die sofortige Prothesenrevision mit Gewinnung von Gewebematerial zur Keimbestimmung und Resistenzprüfung, der Reinigung der Prothesenkomponenten und des umgebenden Gewebes. Kunststoffteile werden komplett ersetzt, da sich hier die Keime nicht eliminieren lassen. Der weitere Behandlungsablauf erfolgt dann nach festgelegten Regeln, unter Umständen bis hin zum kompletten Ausbau der Prothese mit ein- oder zweizeitigem Wechsel.

Beim Spätinfekt wird zunächst unter sterilen Bedingungen das entsprechende Gelenk punktiert (OP!) und das Punktat langzeitbebrütet, da ein Keimnachweis oft sehr schwierig ist. Ein fehlender Keimnachweis schließt einen Protheseninfekt nicht aus! Beim Keimnachweis oder weiter bestehendem Infektverdacht erfolgt die umgehende Revision mit Prothesenausbau und ein- oder zweizeitigem Wechsel.

Hüftprothese

Klinisches Leitsymptom des Hüftprotheseninfektes ist der persistierende Hüftschmerz. Bei Frühinfekten sehen wir zusätzlich lokale Weichteilschwellungen mit Hautrötung und -überwärmung sowie einen Austritt von Gewebeflüssigkeit aus den Drainagestellen. Bei Laborkontrollen zeigt sich eine Erhöhung der Entzündungsparameter. Im Fall eines Spätinfektes können bläuliche oder schwarze Hautverfärbungen (Metallose) auftreten, gelegentlich sogar Fistelöffnungen mit Austritt eines mehr oder wenig eitrigen Wundsekretes.

Bei sicherem Gelenkinfekt erfolgt die sofortige Gelenkrevision mit Prothesenausbau, Entfernung allen infizierten Gewebes und eine systemische, später orale Antibiotikatherapie. Zweizeitig bei nachgewiesener Infektfreiheit kann dann eine neue Hüftprothese implantiert werden. Nur bei beginnendem Infekt mit geringer Keimvirulenz kann sich die Gelenkrevision auf einen Austausch von Kunststoffkomponenten, Steckkopfwechsel und ein ausgiebiges Gelenkdebridement mit nachfolgender Antibiotikatherapie beschränken. Der einzeitige Hüftprothesenwechsel weist Reinfektionsraten um 40 % auf und wird kontrovers diskutiert.

In seltenen Fällen eines Hüftprotheseninfektes wird ausschließlich eine Entfernung der infizierten Hüftprothese durchgeführt und auf das Reimplantieren einer neuen Prothese verzichtet. Diese anatomische Situation ohne Hüftkopf und Schenkelhals bezeichnet man als sog. "Girdlestone-Situation". Gründe hierfür sind vor allem das hohe Patientenalter in Kombination mit reduziertem Allgemeinzustand und internistischen Begleiterkrankungen, die entweder überhaupt keine weitere Operation zulassen oder das Operationsrisiko sehr stark erhöht ist. Es bildet sich im ehemaligen Gelenkbereich straffes Bindegewebe. Bei gesunden und jungen Patienten sollte eine "Girdlestone-Lösung" möglichst vermieden werden, da eine befriedigende Belastbarkeit des Hüftgelenks nicht mehr gegeben und die Beinverkürzung deutlich ist.

Bei zeitverzögerter Therapie akuter oder chronischer Protheseninfekte entstehen häufig ausgedehnte Knochenzerstörungen, die bei der späteren operativen Behandlung aufwändige Rekonstruktionsverfahren erforderlich machen. Hierzu sind neben Knochenersatzverfahren auch alle Register der Revisionsendoprothetik erforderlich einschließlich knochenersetzender Sonderprothesen (sog. "Tumorprothesen"), um belastbare Verhältnisse wiederherzustellen.

Knieprothese

Die klassischen Zeichen der Knieprotheseninfektion sind neben dem Knieschmerz die Schwellung (Kniegelenkerguss!), die Hautrötung und -überwärmung sowie laborchemische Veränderungen mit Erhöhung der Entzündungsparameter. Bei der sog. "Low-grade-Infektion" kann das klinische Symptomspektrum auf den alleinigen, sich nicht bessernden Knieschmerz beschränkt sein und in Kombination mit einer unauffälligen Röntgendiagnostik die Feststellung einer infizierten Knieprothese erheblich erschweren.

Zur Abklärung ist dann umgehend eine Kniepunktion mit Gramfärbung des Punktates, einer konventionellen sowie eine Langzeitbebrütung des Punktates erforderlich, ggf. auch unter arthroskopischen Bedingungen mit Gewinnung von Kniebinnengewebe (Proben aus der Gelenkbinnenhaut). Bedauerlicherweise gelingt wie auch bei anderen Gelenken der Keimnachweis nicht immer.

Bei bewiesener Protheseninfektion oder dem weiter bestehendem Verdacht einer schleichenden Knieinfektion erfolgt das weitere Vorgehen standardisiert mit Prothesenausbau, Ruhigstellung des Gelenks mit einem gelenküberbrückendem Fixateur externe und einem zweizeitigen Wiedereinbau einer Knieprothese nach sicherer Infektfreiheit. Der einzeitige Knieprothesenwechsel sollte nur bei Frühinfekten mit niedriger Keimvirulenz erwogen werden, liegen die Reinfektionsraten doch um die 40 %.

Schulterprothese

Infektionen im Schulterbereich fallen oft nur durch lokale Schmerzen und Erhöhung der Entzündungszeichen im Blut auf; äußere Zeichen wie Schwellung, Rötung und Überwärmung der Haut fehlen nicht selten, so dass sich die Diagnosestellung eines Protheseninfektes verzögern kann. Selbst eine schwere Allgemeininfektion (= Sepsis) kann ohne wesentlichen Bezug zum Lokalbefund der Schulter auftreten.

Schon im Verdachtsfall ist eine umgehende Revision des betroffenen Schultergelenks angezeigt, ggf. mit der sofortigen Entfernung der infizierten Prothese und allen infizierten Gewebes. Die lokale Anatomie mit einem relativ dünnen Knochen und die direkte Nähe zu Blutgefäßen und Nerven stellt hohe Anforderungen an den Operateur.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einem Endoprothesenwechsel hängt von der Lokalisation (obere/untere Extremität), der Art der Verankerung (zementiert/zementfrei) und der Art der Prothese ab. Teilweise ist eine sofortige Vollbelastung möglich, in den meisten Fällen aber zumindest eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit Teilbelastung. Begleitend erfolgt eine frühzeitige postoperative Physiotherapie sowie eine sich an den Krankenhausaufenthalt anschließende ambulante oder stationäre Rehabilitätsbehandlung.

Nachsorge

Gerade nach Endoprothesenwechseloperationen ist eine weitere ärztliche Verlaufskontrolle unabdingbar, um die erfolgreiche Protheseneinheilung zu überwachen und um frühzeitig eingreifen zu können, sollten sich Komplikationen wie eine erneute Lockerung oder ein Reinfekt zeigen.

Periprothetische Fraktur

Hüftprothese

Eine schwerwiegende Komplikation stellt der Bruch des Oberschenkelknochens im Bereich der implantierten Hüftprothese dar. Dabei unterscheiden wir nach der VANCOUVER-Klassifikation 3 Bruchtypen (A-C):

  • Typ A1-A2: Bruch im Bereich des großen oder kleinen Rollhügels (Trochanter major/Trochanter minor)
  • Typ B1-B3: Bruch im Bereich der Prothese
  • Typ C: Bruch unterhalb des Prothesenstiels 

Zusätzlich ist die Einteilung in stabile oder instabile Bruchsituation zu treffen. Ursachen sind bei jüngeren Patienten meistens Verkehrs- und Freizeitunfälle, bei älteren Patienten der häusliche Sturz.

Bei unverschobenen Brüchen oberhalb der Hüftprothese erfolgt ein konservativer Therapieversuch unter Schmerzmedikation mit Frühmobilisierung und kurzfristigen Röntgenverlaufskontrollen. Nur bei Verschiebung des großen Rollhügels (= Trochanter major) erfolgt eine Refixation mittels Drahtschlinge oder Spezialplatte.

Oberschenkelbrüche im Bereich der Prothese können im Einzelfall bei fehlender Prothesen-/Zementlockerung und unwesentlicher Bruchverschiebung unter Entlastung und Röntgenverlaufskontrollen konservativ behandelt werden. In der Regel kommt es aber zu einer Prothesenschaftlockerung, so daß dieser gewechselt werden muss.

Oberschenkelbrüche unterhalb des implantierten Hüftprothesenschaftes sind immer eine Indikation für eine operative Versorgung, da eine konservative Behandlung den Patienten immobilisiert (Thrombose, Lungenembolie, Dekubitus!) und diese Frakturen auch nicht knöchern konsolidieren würden. Ist der Prothesenschaft gelockert, wird er durch einen speziellen Revisionsschaft ersetzt; ansonsten erfolgt eine Versorgung mit einer der Bruchsituation angepassten winkelstabilen Platte.

Knieprothese

Ober- und Unterschenkelbrüche im Bereich einer implantierten Knieprothese werden in der Regel operativ am Oberschenkel mit einem Nagel, am Unterschenkel mit einer winkelstabilen Platte versorgt. Lässt sich am Oberschenkel aufgrund des Prothesentyps kein Nagel einbringen, erfolgt ebenfalls die winkelstabile Plattenfixation. Gelockerte Prothesenkomponenten müssen gewechselt werden; ggf. ist ein kompletter Wechsel auf eine Spezialprothese erforderlich.

Schulterprothese

Aufgrund der dünnen Knochenstruktur können Brüche des Oberarmknochens im oder unterhalb des Prothesenstielbereichs erhebliche Versorgungsprobleme bereiten, auch unter Berücksichtigung der anatomischen Nervensituation (Nervus radialis). Je nach Situation erfolgt die operative Behandlung mit winkelstabilen Spezialplatten oder bei Prothesenstiellockerung mit der Implantation eines zementfreien Langschaftstiels.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einem Endoprothesenwechsel hängt von der Lokalisation (obere/untere Extremität), der Art der Verankerung (zementiert/zementfrei) und der Art der Prothese ab. Teilweise ist nach einer osteosynthetischen Versorgung oder einem Prothesenwechsel eine sofortige Vollbelastung möglich, in den meisten Fällen aber zumindest eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit Teilbelastung. Begleitend erfolgt eine frühzeitige postoperative Physiotherapie sowie eine sich an den Krankenhausaufenthalt anschließende ambulante oder stationäre Rehabilitätsbehandlung.

Nachsorge

Gerade nach Endoprothesenwechseloperationen ist eine weitere ärztliche Verlaufskontrolle unabdingbar, um die erfolgreiche Protheseneinheilung zu überwachen und um frühzeitig eingreifen zu können, sollten sich Komplikationen wie eine Lockerung oder eine Infekt zeigen. Bei osteosynthetischer Versorgung mit winkelstabilen Platten oder Nägeln wird die Bruchheilung bis zur vollständigen Knochendurchbauung überwacht.