Fuß-Chirurgie

Lange nicht beachtet, entwickelte sich die Chirurgie des Fußes in den letzten Jahren zu einem Spezialgebiet analog der bereits seit vielen Jahren als eigenständiges Spezialgebiet existierenden "Handchirurgie"; nicht von ungefähr etablierte sich in den Vereinigten Staaten bereits das Spezialgebiet "Fuß und Sprunggelenk".

In der Traumatologie des Fußes führen selbst "unkomplizierte" Brüche bei bleibenden Fehlstellungen zu Fehlbelastung und Schmerzen, da eine dauerhafte Schonung letztendlich nicht möglich ist.

Die Knorpel-Chirurgie im Bereich des oberen Sprunggelenks ist bei unfallbedingten oder spontan auftretenden Knorpeldefekten indiziert, um die Entstehung von Arthrosen zu verhindern.

Die posttraumatische Fuß-Chirurgie kommt dann zum Einsatz, wenn nach Verletzungen des Fußskeletts und/oder der Weichteile Defektsituationen zurückbleiben oder sich sekundäre Schäden mit Funktionsbeeinträchtigung entwickeln.

Die orthopädische Chirurgie des Fußes beschäftigt sich mit angeborenen und erworbenen Fehlstellungen des Fußes und deren Korrektur.

Traumatologische Fuß-Chirurgie

Aufgrund der engen Beziehung von Knochen, Gefäßen, Nerven, Muskeln, Sehnen, Bändern, Haut- und Unterhautgewebe stellt die Versorgung komplexer Fußtraumen hohe Anforderungen an alle an der Versorgung des Verletzten beteiligten Disziplinen. Kombinationsverletzungen sind bei Rasanztraumen die Regel, führen schnell zu bedrohlichen Komplikationen (z.B. Kompartmentsyndrom; siehe unten), bedürfen einer schnellen und aufwändigen Diagnostik (Röntgen-/CT-Untersuchung) und einer zügigen operativen Versorgung, um bleibende Schäden am betroffenen Fuß zu vermeiden. Dabei hat sich die Konzentration der verletzten Patienten in Spezial-Kliniken seit Jahren bewährt.

Ursachen sind hauptsächlich Sturz beim Klettern (Dahner Felsenland!), von Leitern (Obstpflücker!), Gerüsten und Stauchungsverletzungen bei PKW- und Motorradunfällen. Seltener sind Quetsch-/Überrolltraumen, dann aber oft Arbeitsunfälle mit Gabelstaplern mit Überrollen des Fußes.
Die meisten Unfälle ereignen sich in der Freizeit und bei der Arbeit in den Abend- und Nachtstunden, so dass dies besondere Anforderungen an das versorgende Krankenhaus stellt (Bereitstellung eines in der Fußchirurgie versierten Operationsteams zu jeder Tages- und Nachtzeit).

Diagnostik

Wichtigster Grundsatz bei der Erkennung von Fußbrüchen und Verrenkungen der Fußgelenke ist der, überhaupt "daran zu denken". Bei Einfachverletzungen von Patienten ist das Erkennen einfacher als bei einem beatmeten Mehrfachverletzten. Der Erfahrene wird anhand des Unfallmechanismus an die Möglichkeit einer solchen Verletzung denken, den Patienten dahin gehend klinisch und ggf. röntgenologisch untersuchen.

  • Anamnese
  • Klinische Untersuchung
  • Konventionelle Röntgenaufnahmen in drei Ebenen
  • Spezialprojektionen (z.B. Broden-Aufnahmen)
  • Computertomographie (CT)
  • (Kernspintomographie (MRT))

Auf den Röntgenübersichtsaufnahmen des Fußes in Standardprojektionen lassen sich anhand bestimmter Kennlinien Fehlstellungen von Gelenken und Brüche der Fußknochen gut darstellen; bei Behelfstechnik-Aufnahmen relativiert sich dies sehr schnell - die Verletzungen werden rasch übersehen.

Bei Verdacht auf komplexe Fußverletzungen ist die Durchführung einer computertomographischen Untersuchung mit anschließender 3-dimensionaler Rekonstruktion sinnvoll. Sie hilft dem Geübten insbesondere bei kombinierten Brüchen und Verrenkungen zur Operationsplanung, dem Ungeübten zur Erkennung von okkulten Verletzungen. Beim "Fuß-Notfall" erfolgt die CT-Untersuchung ohne Zeitverlust präoperativ in unserem 64-zeiligen Computertomographen. Die für die Operation erforderlichen Schnittbilder stehen wenige Minuten nach der Untersuchung zur Verfügung.

Verletzungsformen

Bei den Verletzungen des knöchernen Fußskeletts samt seiner vielen Gelenke unterscheiden wir:

  • Brüche der Fußwurzel -/Mittelfuß- oder Zehenknochen
  • Verrenkung (= Luxation) der Fußwurzel-/Mittelfuß- oder Zehengelenke
  • Kombinationsverletzung von Brüchen und Verrenkungen

Bei den Weichteilverletzungen unterscheiden wir folgende Formen:

  • Geschlossene Bruch- und Weichteilverletzungen
  • Offene Bruch- und Weichteilverletzungen
  • Kompartmentsyndrom (siehe unten)
Kompartment-Syndrom

Die schwerste Komplikation infolge eines Fußtraumas stellt die Entstehung eines Kompartmentsyndroms dar. Hierunter versteht man die verletzungsbedingte Druckerhöhung innerhalb des Fußes durch Ödem- und Blutergußbildung. Als Folge kommt es durch die Drosselung der Durchblutung zu einem Absterben von Muskeln, Sehnen und Nerven, so dass letztendlich ein funktionsloser Fuß resultiert. Durch das schleichende Entstehen, Schwierigkeiten bei der Interpretation von Schmerzen sowie unsicheren Druckmessungen mit Drucksonden werden insbesonders bei polytraumatisierten Patienten solche gravierenden Fußverletzungen übersehen. Da der entstehende Schaden irreperabel und lebenslang entsteht, gebührt der Prävention unbedingte Priorität, setzt aber viel Erfahrung in der Beurteilung und Behandlung komplexer Fußtraumen voraus.

Frakturen (= Brüche)

Insgesamt ist die Rate der Fußknochenbrüche an der Gesamtzahl aller Brüche relativ selten. Am häufigsten ist das Fersenbein betroffen, seltener das Sprungbein oder die anderen Fußwurzel- oder Mittelfuß-/Zehenknochen. Den schwierigsten Heilungsverlauf weist der Sprungbeinbruch aufgrund seiner besonderen Blutversorgung auf. Hier sind öfters im Verlauf der Behandlung ausbleibende Heilung (= Pseudoarthrose) oder sogar ein Absterben des Knochens (= Nekrose) zu beobachten (siehe hierzu "Komplikationen")

Luxationen (= Verrenkungen)

Unter Luxation versteht man das gewaltsame Auseinanderweichen von Gelenken/Knochen durch Zerreißen der sie verbindenden Bänder und Gelenk-Kapseln (sog. Verrenkung). Da die Kapsel-Band-Komplexe am Fuß relativ straffe Strukturen darstellen, handelt es bei dieser Form der Verletzung in der Regel um Hochrasanz-Traumen mit begleitender schwerer Beeinträchtigung der Weichteile und einem hohen Prozentsatz an sich entwickelnden Kompartmentsyndromen (siehe oben). Die Fehlstellung der Fußwurzel- und Mittelfußgelenke ist klinisch oft fast nicht sichtbar, auf den Röntgen-Übersichtsaufnahmen (Behelfstechnik beim polytraumatisierten Patienten!) für den Unerfahrenen nur schwer interpretierbar und zählt deshalb zu den öfters übersehenen Fußverletzungen mit prekären Folgen, falls die Verrenkung und Fehlstellung nicht behoben werden.

Komplikationen

Wie bereits oben erwähnt, sind Komplex-Verletzungen des Fußes im weiteren Verlauf mit einer hohen Rate an Komplikationen behaftet:

  • früh posttraumatisch Absterben von Weichteilbezirken (Haut/Unterhaut/Faszien)
  • Weichteilinfekte in Folge der Weichteilquetschung
  • Sehnendefekte (traumatisch, posttraumatisch durch Nekrose und/oder Infekt)
  • Absterben des Sprungbeins bei Verrenkungsbrüchen
  • bleibende Bandinstabilitäten
  • Früharthrosen der an der Verletzung beteiligten Gelenke

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung richtet sich in erster Linie nach der stattgehabten Verletzung. Fersenbeinbrüche können bei konservativer oder operativer Therapie in der Regel in einer speziellen Orthese frühfunktionell nachbehandelt werden ebenso wie manche andere Brüche der Fußwurzel-, Mittelfuß- und Zehenknochen. Bei Verrenkungen muss zunächst die Heilung der Gelenkkapseln abgewartet werden, was etwa sechs Wochen in Anspruch nimmt. Dann werden auch eventuell eingebrachte Schrauben und Drähte entfernt und der Patient beginnt mit steigender Belastung seines verletzten Fußes. Wichtig ist bereits direkt nach der Verletzung/Operation eine begleitende Physiotherapie, Lymphdrainage und ggf. AV-Pumpenbehandlung zur Abschwellung und zum Erhalt der Beweglichkeit benachbarter Gelenke. Je nach Fallkonstellation ist eine zusätzliche ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung erforderlich.

Ob sich im weiteren Verlauf eine Arthrose der Fußgelenke entwickelt, hängt maßgeblich von einer vollständigen Rekonstruktion der gesamten Fußstrukturen ab. In leichten Fällen einer posttraumatischen Arthrose stützen und entlasten Einlagen den Fuß und bei mittelgradigen Fällen kommt die Verordnung von orthopädischem Schuhwerk in Frage. Schwere Arthrosen werden durch Versteifung (= Arthrodese) des betroffenen Gelenks schmerzfrei.

Knorpel-Chirurgie

Im oberen Sprunggelenk artikulieren die Gelenkfläche des Schien-, Waden- und Sprungbeins mit ihren knorpeligen Gelenkflächen und bilden die sog. "Sprunggelenkgabel". Durch Umknickverletzungen im oberen Sprunggelenk kann es zu Stauchungen von Knorpel und Knochen an den Gelenkkanten mit nachfolgenden Reparationsvorgängen kommen, die bei Fehlheilung aufgrund einer gestörten Durchblutung zu einem Absterben von Knorpel-Knochen-Arealen führen kann. Daneben existieren unbekannte Krankheitsvorgänge, die ohne Trauma zur selben Schädigung führen (Osteochondrosis dissecans).

Symptomatisch werden die Patienten durch zunächst belastungsabhängige Beschwerden wie Schmerzen und Schwellung; später treten diese Symptome auch in Ruhe auf. Hinzu kommt eine zunehmende Bewegungseinschränkung.

Die Erkrankung verläuft in Stadien und erfordert eine stadienadaptierte Behandlung. Bei vollständiger Ablösung von Knorpel-Knochen-Arealen (Stadium IV) muss ein lokaler operativer Ersatz der beschädigten Sprungbeingelenkfläche erfolgen, um eine fortschreitende Arthrose des oberen Sprunggelenks zu verhindern.

Diagnostik

Zur Diagnostik stehen folgende Untersuchungen zur Verfügung:

  • Anamnese
  • Klinische Untersuchung incl. Stabilitätsprüfung des Kapsel-Band-Apparates
  • Konventionelle Röntgenaufnahmes des oberen Sprunggelenks in zwei Ebenen
  • Spezialaufnahmen (gehaltene Aufnahmen zur Stabilitätsprüfung, Belastungsaufnahmen des OSG/Fußes)
  • (Konventionelle Schichtaufnahmen)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT) 

Die obligate Nativröntgenaufnahme des oberen Sprunggelenks erlaubt eine vollständige Übersicht über die gelenkbildenden Strukturen, um weitere krankhafte Veränderungen wie Brüche, Tumoren oder Entzündungen auszuschließen. Eine Osteochondrosis dissecans ist auf diesen Aufnahmen in der Regel nicht zu erkennen, höchstens bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien mit Knocheneinbruch im Sprungbein.

Konventionelle Schichtaufnahmen haben heute nur noch eine historische Bedeutung, seitdem MRT und CT zur Verfügung stehen. Die Kernspintomographie (MRT) ist heute die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchungsmethode und erlaubt neben einer genauen Lokalisations- und Größendiagnostik eine genaue Stadieneinteilung, die für das therapeutische Vorgehen immens wichtig ist.

Die Computertomographie (CT) wird in Einzelfällen als Ergänzungsdiagnostik bei bestimmten Therapieverfahren wie retrograde Anbohrung oder rekonstruktiven Verfahren angewandt, ist aber nicht Routine.

Operationstechnik

Müssen sowohl Knorpel wie auch durchblutungsgestörter Knochen ersetzt werden (Stadium IV), wird die "Osteochondrale Zylindertransplantation (OCT)" durchgeführt. Dabei werden kleine Zylinder aus intaktem Knorpel und Knochen im Kniegelenk über einen kurzen Schnitt entnommen und in den Defekt am Sprungbein eingepflanzt. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Knorpeloberfläche des Entnahmezylinders unbedingt die Form des zu füllenden Defektes aufweist, insbesonders an den Kanten des Sprungbeins, da sonst der transplantierte Knorpel sofort wieder abgerieben wird. Zur Verfügung stehen Stanzen mit 4, 6 und 8 mm Durchmesser. Zylinder darunter oder darüber haben sich nicht bewährt. Die Länge der Zylinder beträgt am Sprungbein i.d.R. 12 bis 14 mm.

Operationsablauf

Zunächst wird durch eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks der klinisch und radiologisch vermutete Befund überprüft und die letztendliche Entscheidung über das weitere Operationsverfahren getroffen.  Da die Defektherde in der Regel am Sprungbein innen und am Scheitel der Körperkrümmung auftreten, ist für eine ausgedehntere Operation am Sprungbein eine sog. "Osteotomie" des Innenknöchels notwendig, d.h. der Innenknöchel wird vorsichtig abgesägt und am daran befestigten Innenband weggeklappt. Später wird er dann mit zwei Schrauben wieder refixiert und heilt problemlos wieder an. Operationsverfahren wie die "Osteochondrale Zylindertransplantation (OCT)" oder die "Autologe Chondrozyzentransplantation (ACT)" sind sonst in dem sehr engen Gelenkspalt gar nicht möglich.

Der zu deckende Defekt wird mit den Stanzen auf Überdeckung überprüft und sowohl der Durchmesser wie auch die Anzahl der "Dübel" festgelegt. Dabei muß darauf geachtet werden, dass höchstens zwei "Dübel" aus Stabilitätsgründen nebeneinander stehen dürfen. Kleine verbleibende Defekte zwischen und neben den Knorpel-Knochen-Zylindern spielen keine Rolle; sie füllen sich im Rahmen der Einheilung der Zylinder mit Faserknorpel auf.

Die Entnahme der Knorpel-Knochen-Zylinder am Kniegelenk erfolgt an nicht belasteten Arealen der Oberschenkelrollen, sodass hier keine Probleme auftreten. Die Entnahme der Zylinder kann bei einfachen Zylindern (gerade Oberfläche) arthroskopisch erfolgen; bei komplexen Knorpeloberflächen der Zylinder ist in der Regel einen sog. "Mini-Arthrotomie" des Kniegelenks erforderlich.

Nachbehandlung

Die Operation erfolgt unter stationären Bedingungen mit einem Aufenthalt im Krankenhaus von sechs bis zehn Tagen. Eine frühfunktionelle Beübung des operierten Knie- und oberen Sprunggelenks unter krankengymnastischer Anleitung ist die Regel.

Die Einheilung der Knorpel-Knochen-Zylinder benötigt ca. sechs Wochen, ebenso wie die Heilung des Innenknöchels, falls dieser abgetrennt werden musste. Für diesen Zeitraum entlastet der Patient an Unterarmgehhilfen bei freier Mobilisierung des oberen Sprunggelenks. Begleitend erfolgt eine physiotherapeutische Bewegungstherapie sowie eine Thromboseprophylaxe, die bis zum Erreichen der Vollbelastung notwendig ist. Lag neben dem Knorpel-Knochen-Defekt noch ein ausgedehntes Knochenmarködem im Sprungbein vor, ist die Entlastung manchmal auf bis zu zwölf Wochen auszudehnen, damit durch Neuensprossung von Blutgefäßen eine sog. "Revaskularisation" erfolgen kann. Eine kernspintomographische Verlaufskontrolle ist frühestens nach einem Jahr sinnvoll; die Entfernung der Innenknöchelschrauben erfolgt nach sechs Monaten.

Posttraumatische Fuß-Chirurgie

Viele Brüche des Fußwurzelskeletts und die meisten Verrenkungen (= Luxationen) der Fußwurzel heilen beschwerdefrei oder zumindest beschwerdearm aus. Bei sehr komplexen Fußtraumen, in der Regel Kombinationen aus Brüchen und Verrenkungen, oder bei verbliebenen Gelenkfehlstellungen und/oder -instabilitäten entwickeln sich fortschreitende Arthrosen der Fußwurzelgelenke. Dadurch entstehen zunehmende Belastungs-, später auch Ruheschmerzen mit Fehlbelastung des betroffenen Fußes. Hierdurch resultieren dann aufgrund der Schonhaltung sekundäre Beschwerden in weiter entfernten Gelenken (Knie-/Hüftgelenk/Wirbelsäule). Die Diagnostik und stadiengerechte Behandlung ist eminent wichtig, um Immobilisierung und Einschränkung der beruflichen und privaten Belastbarkeit der Betroffenen zu verhindern. 

Diagnostik

Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamneseerhebung mit Erfassung der stattgehabten Verletzung, des Behandlungs- und bisherigen Beschwerdeverlaufs. Daran schließt sich eine komplette klinische Untersuchung des ganzen Fußes (Vergleich mit der gesunden Gegenseite!) und eine entsprechende Röntgendiagnostik an.

  • Konventionelle Röntgenbilder (OSG, Fuß)
  • Belastungsaufnahmen der Füße (ap und seitlich)
  • Spezialprojektionen (z.B. Broden-Aufnahmen)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • (Knochenszintigraphie) 

Konservative Therapie

Zur konservativen Behandlung posttraumatischer Arthrosen und/oder Fehlstellung stehen neben einer physiotherapeutischen und medikamentösen Begleittherapie insbesondere die Versorgung des Patienten mit nach Maß angefertigten Einlagen, Schuhsohlen- und Absatzzurichtungen wie auch orthopädisches Schuhwerk zur Verfügung, um dem Patienten ein schmerzfreies Belasten seines Fußes zu erlauben.

Operative Therapie

Die operativen Maßnahmen bei posttraumatischen Fehlstellungen des Fußskeletts umfassen korrigierende Achsumstellungen im Fußwurzelbereich durch Keilentfernung von Knochen oder Einfügung von Knochenspänen zum Aufrichten von Fußwurzelknochen. Mittelfußknochen werden durchtrennt (= osteotomiert) und mittels kleiner winkelstabiler Platten in korrekter Stellung fixiert.
Posttraumatische Arthrosen der Fußgelenke erfordern in besonderen Fällen die Versteifung (= Arthrodese), um Schmerzfreiheit und Belastungsfähigkeit wiederherzustellen.
In Einzelfällen unter strenger Indikationsstellung ist auch die Implantation einer Prothese im Bereich des oberen Sprunggelenks oder des Großzehengrundgelenks indiziert.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung orientiert sich an den durchgeführten operativen Eingriffen. In der Regel ist eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit Physiotherapie, Lymphdrainagen zur Abschwellung und Teilbelastung möglich. Während der Teilbelastung erfolgt eine Thromboseprophylaxe. Der Heilverlauf wird in regelmäßigen Abständen klinisch und radiologisch überprüft und die Belastung des Fußes entsprechend angepaßt.

Orthopädische Fuß-Chirurgie

Begriffserklärung:

  • Hallux valgus: Abweichen der Großzehe in Richtung äußerer Fußrand
  • Pseudoexostose: Schmerzhafte Knochenwucherung an der Innenseite des 1. Mittelfußknochens mit darüber liegendem Schleimbeutel
  • Hallux rigidus: Schmerzhafte Arthrose des Großzehengrundgelenks mit Bewegungseinschränkung
  • Krallenzeh, Hammerzeh: Fehlstellungen der Zehen 2 - 5
  • Clavus: Schmerzhafte Hornhautverdickung (Hühnerauge) auf der Oberseite von Zehen
  • Metatarsalgie: Vorfußballenschmerz durch Fehlbelastung der Mittelfußköpfchen 2 - 5
  • TMT-I-Insuffizienz: Kapsel-Bandlockerung zwischen dem 1. Mittelfußknochen und den Fußwurzelknochen mit Instabilität
  • Spreizfuß: Auseinanderweichen des Fußes mit Verbreiterung
  • Senkfuß: Abflachung des Fußlängsgewölbes mit Überlastung der Längsbänder
  • Knickfuß: Zumeist Innenkippung des Fußes mit Fehlbelastung des oberen und unteren Sprunggelenks sowie der Fußgelenke

Häufigste Ursachen einer Fehlstellung der Großzehe (Hallux valgus)

  • Vererbung/genetische Veranlagung
  • Verbreiterung des Vorfußes (Spreizfuß)
  • Bindegewebsschwäche/Entzündliche Gelenkerkrankungen (z.B. Rheuma)
  • Erkrankungen der Nerven
  • hohes und spitzes Schuhwerk

Die Fehlstellung der Großzehe (Hallux valgus) kommt in allen Kulturkreisen vor. Die Zehenveränderung wird auch bei Leuten beobachtet, die noch nie in ihrem Leben Schuhe getragen haben. Daher wird eine genetische Veranlagung angenommen. Begünstigt wird die Fehlstellung der Großzehe durch spitz zulaufende Schuhe mit hohen Absätzen. Hierbei rutscht der Vorfuß nach vorne und die Zehen werden in eine ungünstige Stellung gepresst. Das Reiben des Großzehenballens am Schuh kann zu schmerzhaften Schleimbeutelentzündungen und zur Bildung eines hervorstehenden Großzehenballens (Pseudoexostose) führen.

Frauen sind von Zehenfehlstellungen 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Männer. Die nach außen abweichende Großzehe (Hallux valgus) kann die benachbarten Zehen verdrängen und dabei nach oben wegdrücken. Es entsteht eine Kleinzehendeformität (Krallenzehe), die wiederum, durch den ständigen Druck im Schuh, ein schmerzhaftes Hühnerauge (Klavus) ausbilden kann. Ebenso können Gelenkerkrankungen wie Rheuma die stabilisierenden Elemente in den Gelenken soweit zerstören, so dass es zu Zehenfehlstellungen kommt.

Korrektur von Fehlstellungen

Fehlstellungen der Zehen können zu erheblichen Beschwerden führen. In ausgeprägten Fällen können handelsübliche Schuhe nicht mehr getragen werden. Eine Fehlstellung der Großzehe nimmt über die Jahre langsam zu. Dieser Prozess kann leider durch keine nicht-operative Therapie umgekehrt werden. Möglicherweise helfen Einlagen und Nachtschienen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Aufhalten können beide die Entwicklung eines Hallux valgus jedoch nur in sehr frühen Stadien. Eine Zehenfehlstellung führt zu einer anormalen Belastung des Gelenks, was langfristig einen vorzeitigen Gelenkverschleiß begünstigt. Ist eine Arthrose erst einmal entstanden, ist die Bewegung der Großzehe nur noch unter Schmerzen möglich. Häufig ist es sinnvoller, durch eine Korrektur der Großzehe die gestörte Lastverteilung im Vorfuß zu normalisieren als Operationen an den Kleinzehen durchzuführen. In schweren Fällen ist beides notwendig.

Wichtig zu wissen ist, dass nach einer Operation lediglich 30 % der Patienten die Schuhe anziehen können, die sie sich präoperativ vorgestellt haben!

Diagnostik

Neben der Erhebung des bisherigen Krankheitsverlaufs kommt der sorgfältigen Untersuchung des betroffenen Fußes die entscheidende Rolle zu, um keine krankhafte Veränderung zu übersehen. Die sich anschließende radiologische Diagnostik dient dem Ausschluß sonstiger knöcherner Veränderungen. Anhand der Belastungsaufnahmen lassen sich die tatsächlichen Fehlstellungen darstellen und in die Operationsplanung mit einbeziehen.

  • Anamnese
  • Klinische Untersuchung einschließlich Gangbild-/Belastungsuntersuchung (Pedographie)
  • Konventionelle Röntgenuntersuchung des Fußes in drei Ebenen
  • Belastungsaufnahmen im Stehen ap und seitlich
  • (Computertomographie (CT))
  • (Kernspintomographie (MRT)) 

Operation

Was sind die Ziele einer Operation?

  • die Großzehe soll wieder gerade stehen
  • die Gelenkfunktion soll erhalten bleiben
  • das schmerzhafte Überbein soll entfernt werden
  • die Kleinzehen sollen wieder gerade stehen
  • der Spreizfuß soll beseitigt und der Vorfuß verschmälert werden

Wie wird der Fuß betäubt? Vorfußoperationen sind sowohl in Vollnarkose, Rückenmarksnarkose als auch in Regionalanästhesie möglich.

Operations-Verfahren

Die Wahl der optimalen Operationsmethode orientiert sich unter anderem an der Fehlstellung der Großzehe, dem Zustand des Gelenks, an dem Winkel zwischen 1. und 2. Mittelfußknochen sowie an der Statik des gesamten Vorfußes. Liegen weitere Vorfußveränderungen vor, müssen diese in gleicher Sitzung entsprechend korrigiert werden.

OP nach CHEVRON und SCARF

Die CHEVRON- und SCARF-Osteotomien korrigieren die Fehlstellung des 1. Mittelfußknochens. Das Mittelfußköpfchen kann bis zu 5 mm in Richtung Fußaußenrand geschoben werden. Der Mittelfußknochen wird wieder gerade gestellt und mit 1 oder 2 Schrauben fixiert.

OP nach AKIN und Kleinzehenoperation

Ergänzend zur Korrektur des 1. Mittelfußknochens (siehe oben) kann noch eine Begradigung der Großzehe (AKIN-Osteotomie) durchgeführt werden. Ein vermehrter Druck einzelner Mittelfußknochen unter dem Vorfuß kann durch eine Verkürzung (WEIL-Osteotomie) wieder korrigiert werden.

Basisosteotomie MT I:

Bei schweren Fehlstellungen wird der 1. Mittelfußknochen an seiner Basis korrigiert. Je nach Zustand des Großzehengrundgelenkes und den anatomischen Voraussetzungen kann eine den Knochen verlängernde oder eine den Knochen verkürzende Technik angewendet werden. Der Knochen wird durch eine kleine, winkelstabile Platte stabilisiert, die das Operationsergebnis sichert.

LAPIDUS-Arthrodese

Immer wieder tritt eine Fehlstellung der Großzehe zusammen mit einer Arthrose des 1. Mittelfußgelenkes (= TMT-I-Gelenk) auf. Bei der Lapidus-Arthrodese wird die Korrektur der Zehenfehlstellung durch Versteifung des 1. Mittelfußgelenkes, unter Verwendung eines winkelstabilen Implantats, durchgeführt.

HALLUX RIGIDUS-Arthrodese des MTP-I-Gelenkes

Durch Veränderungen des Fußgewölbes und Fehlstellungen/Fehlbelastungen der Großzehe kommt es zu einer fortschreitenden Arthrose (= Gelenkverschleiß) des Großzehengrundgelenkes (= MTP-I-Gelenk) mit zunächst Bewegungsschmerz, später zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung bis hin zur vollständigen Einsteifung (= Hallux rigidus).
In Frühstadien kann durch korrigierende Operationen in Kombination mit konservativen Maßnahmen ein Fortschreiten der Arthroseentstehung verhindert oder zumindest verzögert werden. In fortgeschrittenen Fällen stehen die Versteifungs-Operation (= Arthrodese) und das Einsetzen einer Großzehengrundgelenkprothese zur Verfügung.

Nachbehandlung

Hochlagern und Schonen

Operierte Füße neigen dazu anzuschwellen. Eine starke Schwellung vermindert die Durchblutung und begünstigt Wundheilungsstörungen und Infekte. Daher gilt: Konsequentes Hochlagern und Schonen!

Verband

Zwei Wochen lang sollte ein Kramer-Verband angelegt werden, der die operierte Gelenkkapsel und die Großzehe stabilisiert. Nach Entfernung des Nahtmaterials kann dann eine Zehenbandbandage verwendet werden.

Fadenentfernung

Die Fäden werden zwischen dem 12. und 14. Tag nach der Operation gezogen. Bis zu diesem Zeitpunkt muss die Wunde trocken gehalten werden. 2 Tage nach Fadenentfernung kann der Wundbereich geduscht werden.

Vorfußentlastungsschuh

Je nach Operationsverfahren wird für 6-8 Wochen ein spezieller Vorfußentlastungsschuh zur Sicherung des Operationsergebnisses empfohlen. Wie bei einem Knochenbruch muss der durchtrennte Knochen wieder zusammenwachsen. Wird der Fuß vorzeitig zu stark belastet, kann die Knochenheilung nachhaltig gestört werden. 

Hallux-Bandage

Ab der 3. Woche kann das Operationsergebnis durch eine Hallux valgus-Bandage gesichert werden. Solange der Vorfußentlastungsschuh verwendet wird, empfiehlt es sich, die Bandage Tag und Nacht zu tragen. Wird wieder normales Schuhwerk verwendet, sollte die Bandage weiterhin noch nachts getragen werden.

Thromboseprophylaxe

Eine Thromboseprophylaxe ist zum Erreichen der Vollbelastung notwendig. Je nach Operationsverfahren kann diese wenige Tage bis zu einigen Wochen in Anspruch nehmen.

Schuhwerk

Normales Schuhwerk: 2-6 Monate benötigt der Fuß bis ein schmerzfreies Abrollen im normalen Schuh ohne Einschränkung wieder möglich ist. Die Zeitdauer hängt von Lebensalter, Vorerkrankungen und vom Umfang des Eingriffes ab. Extreme Fehlstellungen lassen sich nicht ohne weiteres zu einem „normalen“ Fuß umformen!