Narkose in der Geburtshilfe

Die Wehenschmerzen unter der Geburt sind individuell sehr unterschiedlich. Hebammen, Frauenärzte und Narkoseärzte wollen Ihnen helfen, diese Wehenschmerzen zu lindern und Ihnen damit den Vorgang der Geburt zu erleichtern. Zunächst werden unter der Geburt vor allem in der Eröffnungsphase des Muttermundes die Maßnahmen bevorzugt, die ohne Medikamente auskommen. Dazu gehören z.B. Entspannungsbäder, in der Geburtsvorbereitung erlernte Entspannungs- und Atemtechniken, Massage, immer wieder Positionswechsel im Verlauf, Akupunktur u.a., um die Wehenschmerzen zu erleichtern.

Für manche Frauen sind diese Maßnahmen jedoch nicht immer ausreichend, sodass nach Beratung mit dem Geburtshelfer oder der Hebamme weitere Maßnahmen der Schmerztherapie zum Einsatz kommen können. In der Geburtshilfe ist die rückenmarknahe Schmerztherapie, die Peridualanästhesie, ein etabliertes Verfahren. Die anästhesiologische Versorgung im Kreißsaal ist 24 Stunden am Tag gewährleistet.

Das Institut für Anästhesiologie arbeitet dabei eng mit der Frauenklinik zusammen. Rund um die Uhr ist eine rasche anästhesiologische Versorgung im Kreissaal möglich.

Gesprächstermine zum Thema „schmerzarme Geburt“

Wir bieten Ihnen regelmäßig die Möglichkeit, sich frühzeitig bei uns in der Anästhesieambulanz (Haus 6, Ebene 3) in einem Gespräch mit den zuständigen Oberärzten/-ärztinnen über die verschiedenen Möglichkeiten der "schmerzarmen Geburt" zu informieren. Weitere Informationen finden Sie in den Abschnitten unten sowie in unserem Flyer zur schmerzarmen Geburt. Gerne können Sie uns auch telefonisch kontaktieren unter

Tel.0631 203-1038

Periduralanästhesie (PDA) bei der Geburt

Die Peridualanästhesie lässt eine Schmerzlinderung in bestimmten Regionen des Körpers zu und hat sich als eine besonders wirksame Form der Wehenschmerzlinderung in der Geburtshilfe erwiesen. Hierbei wird unter örtlicher Betäubung im unteren Wirbelsäulenbereich ein sehr dünner Kunststoffschlauch (Katheter) zwischen zwei Wirbel in die Nähe der Rückenmarkshaut (Dura) eingeführt (Epiduralraum).

Ein Gemisch aus Schmerz- und Betäubungsmittel, das über diesen Katheter zugeführt wird, umspült die von der Gebärmutter zum Rückenmark führenden Nerven und betäubt so den Wehenschmerz. Die Muskelkraft wird nicht beeinträchtigt, da Schmerz- und Betäubungsmittel so dosiert sind, dass sich zwar eine schmerzlindernde Wirkung für die Wehentätigkei entfaltet, wobei aber die Fähigkeit zum Stehen und Laufen unter der Geburt erhalten bleibt (Prinzip der 'walking epidural').

Der Zeitpunkt für die Anlage einer PDA ist für jede Patientin verschieden. Wenn die Patientin den Wunsch äußert, eine PDA zu erhalten, werden der Geburtshelfer und der Anästhesist gemeinsam an Hand der mütterlichen und kindlichen Situation den für Mutter und Kind sowie Geburtsverlauf günstigsten Zeitpunkt festlegen.

Im Westpfalzklinikum führen wir nach den modernsten Konzepten die sogenannte patientenkontrollierte epidurale Analgesie (PCEA) durch, bei der Sie mittels einer tragbaren Schmerzpumpe selbstbestimmt die Schmerzmittelzufuhr steuern können. Eine Überdosierung ist aufgrund einer vom Anästhesisten einprogrammierten Sperrzeit nicht möglich.

Nach der Geburt des Kindes wird der Katheter entfernt, so dass sich nach wenigen Stunden in den zuvor betäubten Bezirken wieder das normale Empfinden einstellt.

Häufige Fragen zur PDA

Welche Nebenwirkungen und Komplikationen können bei einer Epiduralanalgesie auftreten?

Die Regionalanalgesie- und -anästhesie sind etablierte Verfahren, die in der Geburtshilfe mit großer Erfahrung und Routine eingesetzt werden. Vor Anlegen einer Peridualanästhesie informiert sich die Anästhesieärztin oder der Anästhesiearzt über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und Ihre Blutwerte, um Komplikationen zu vermeiden. In seltenen Fällen ist die Einlage des Periduralkatheters technisch nicht möglich.

Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Blasenentleerungsstörungen und Kreislaufreaktionen. Es kommt vor allem in der Anfangsphase der Betäubung oft zu Phasen niedrigen Blutdrucks. Um dieses Risiko zu minimieren, wird man Ihnen eine Infusion anlegen, über die Ihnen vor Beginn der Betäubung Flüssigkeit zugeführt wird. Schwere Komplikationen, wie z.B. Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand sind sehr selten. Sie können durch eine Unverträglichkeit der Medikamente oder versehentliche Einspritzung des Schmerzmedikaments in ein Blutgefäß oder in die Rückenmarksflüssigkeit ausgelöst werden. Selten kommt es aufgrund einer Verletzung der Rückenmarkshaut zu Kopfschmerzen. Einfache Maßnahmen wie Bettruhe und das Trinken von viel Flüssigkeit können die Kopfschmerzen zumeist deutlich abschwächen.

Die Blutgefäße nahe Ihrem Rückenmark sind während der Schwangerschaft erweitert. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass Medikamente statt in die Nähe des Rückenmarks in diese Blutgefäße gespritzt werden. Um dieses Risiko zu vermindern, sollten Sie Ihrem Anästhesiearzt sofort alles mitteilen, was Ihnen während der Periduralanästhesie auffällig vorkommt. Schwere Zwischenfälle, z.B. allergische Reaktionen oder Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand, sind mit 0,01% äußerst selten. Bleibende Lähmungen als Folge von Blutergüssen, Entzündungen oder direkten Nervenverletzungen sind mit 0,02% ebenfalls Raritäten. Für das ungeborene Kind entstehen keine unerwünschten Nebenwirkungen.

Kann ich noch aktiv am Geburtsvorgang mitarbeiten?

In der Geburtshilfe streben wir weitestgehende Schmerzlinderung bei noch erhaltener Fähigkeit zur aktiven Mitarbeit der Frau beim Geburtsvorgang an. Deshalb können Sie Wehen als Druck wahrnehmen. Auch werden Sie fühlen können, wenn Ihre Hebamme oder Ihr Frauenarzt Sie untersuchen. Taubheitsgefühle, Wärmeempfinden und Beeinträchtigung der Muskelkraft in der unteren Körperhälfte sind normale Begleiterscheinungen, die nach Ende der Wirkung der Medikamente wieder abklingen.

Kaiserschnitt (Sectio Caesarea)

Auch zur Kaiserschnittentbindung (Sectio caesarea), bei der neben Schmerzfreiheit eine Muskelerschlaffung des Bauchraumes erwünscht ist, wenden wir bevorzugt rückenmarknahe Techniken an. So kann ein Periduralkatheter, der primär zur Geburtserleichterung gelegt wurde, durch Erhöhung der Medikamentenkonzentration auch für die Kaiserschnittentbindung genutzt werden. Ist von vornherein eine Kaiserschnittentbindung geplant, empfehlen wir eine Spinalanästhesie, die neben dem bewussten Erleben der Entwicklung des Kindes die Medikamentenbelastung für das Neugeborene minimiert.

Unterhalb der Brust wird durch diese Methode das Schmerzempfinden ausgeschaltet, die Beine können nicht oder kaum mehr beweget werden. Das Gebiet des Bauchs wird zum Operieren mit Tüchern abgedeckt und die Frau kann selbst nicht in das Operationsgebiet sehen, ist aber trotzdem wach und erlebt die Geburt ihres Kindes mit. Die Wirkung der Teilnarkose lässt nach ca. 2 Stunden wieder nach, Gefühl und Muskelkraft kehren langsam zurück.

Selbstverständlich führen wir zum Kaiserschnitt bei bestimmten Indikationen oder auf Ihren Wunsch auch Narkosen durch, wenngleich Untersuchungen deutliche Vorteile der Regionalanästhesie gegenüber der Allgemeinanästhesie für Mutter und Kind gezeigt haben. Eine Vollnarkose wird eingesetzt, wenn die Durchführung einer regionalen Anästhesie technisch nicht durchführbar ist, medizinische Gründe gegen eine Regionalanästhesie sprechen, sehr wenig Zeit bis zum Kaiserschnitt zur Verfügung steht oder wenn eine Patientin eine Regionalanästhesie ablehnt.

Zur Narkose wird eine Kombination verschiedener Medikamente eingesetzt. Bis zur Abnabelung des Kindes werden dabei nur Medikamente verwendet, die dem Kind nicht schaden und seinen Atemantrieb nicht hemmen. Um Sie und Ihr Baby ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, wird Ihnen vor Einleitung der Narkose eine Gesichtsmaske vorgehalten. Nach dem Einschlafen wird ein Schlauch (Tubus) in die Luftröhre eingelegt (Intubation). Während der Intubation besteht bei Schwangeren ein etwas erhöhtes Risiko, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt (Aspiration) , dies kann zu einer schweren Lungenschädigung führen. Diese Gefahr ist umso größer je kürzer die Zeit nach der letzten Mahlzeit ist. Der Anästhesist wird einer Aspiration durch die Durchführung einer raschen Intubation der Luftröhre vorbeugen. Zusätzlich erhalten Sie ein säure-neutralisierendes Medikament vor Beginn der Narkose.