Monitoring

Monitoring stammt von der lateinischen "monere" was ermahnen oder warnen bedeutet. Ein Monitor im medizinischen Sinn (auch Vitaldatenmonitor) ist ein Gerät oder eine Gerätekombination, mit dem Vitalparameter eines Patienten gemessen und überwacht werden. Die kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter während der Anästhesie dient der Sicherheit der Patienten und wird je nach Erfordernis durchgeführt mittels:

  • Elektrokardiographie (EKG) mit ST-Streckenanalyse
  • Nichtinvasive oder invasive Blutdruckmessung
  • Pulsoxymetrie
  • Temperaturmessung
  • Muskelrelaxometrie
  • Blutgasanalyse
  • Messung des zentralen Venendrucks
  • Tubus-Cuffdruck-Messung
  • Point of care-Gerinnungsdiagnostik
  • Beatmungsparameter
  • Intraoperatives Neuromonitoring
  • Dopplersonographie
  • Messung des Herzzeitvolumens (PiCCO)
  • Transösophageale Echokardiographie (TEE)
  • Blasenkatheter
  • Labordiagnostik

In den folgenden Abschnitten haben wir die einzelnen Überwachungs-Möglichkeiten kurz erläutert:

EKG mit ST-Streckenanalyse

Das 5-Kanal-EKG mit automatischer, kontinuierlicher ST-Streckenanalyse in Ableitungen I, II und V5 erlaubt die Detektion von ca. 85% aller intraoperativen kardialen Sauerstoffunterversorgungen (Ischämien).

Blutdruckmonitoring

Die intraoperative Blutdruckmessung erfolgt kontinuierlich.

Nichtinvasiv: Eine aufblasbare Manschette wird vor Einleitung der Narkose am Oberarm angebracht. Hierdurch kann der Blutdruck in regelmäßigen Abständen (üblicherweise aller 5 Minuten) gemessen werden. Blutdruckabfälle als Folge der Narkosemedikation, Blutverlust, etc. aber auch erhöhte Blutdruckwerte werden dadurch rechtzeitig erkannt und behandelt.

Invasiv: Je nach Erfordernis wird vor und nach der Narkoseeinleitung eine dünne Kanüle in die Schlagader des Unterarmes (Arteria radialis) eingeführt. Beim wachen Patienten wird die Arterie in örtlicher Betäubung punktiert. Über diese Kanüle wird der Blutdruck kontinuierlich gemessen und auf dem Bildschirm als Kurve angezeigt. So kann der Anästhesist – anders als beim Blutdruckmessen mit der aufblasbaren Manschette – sekundengenau den Blutdruck überwachen, was beispielsweise bei einer Herzoperation unabdingbar ist.

Pulsoxymetrie 

Schon vor der Narkoseeinleitung wird ein Clip (Pulsoximeter) am Finger angebracht, mit dem die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen wird.

Kapnometrie

Die Messung von Kohlendioxyd in der Ausatmeluft erfolgt unmittelbar nach Beginn der Beatmung und wird während der Narkose kontinuierlich weitergeführt. Außerdem kontrolliert der Anästhesist bei entsprechende Indikation in regelmäßigen Abständen die entsprechenden Werte im Blut (Blutgasanalyse).

Temperaturmessung 

Während der Narkose wird die Temperatur des Patienten kontinuierlich überwacht. Bei vielen Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine wird die Körpertemperatur während des Herzstillstandes bewusst abgesenkt, um den Sauerstoffverbrauch des Herzens und der anderen Organe zu vermindern. Mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine wird der Körper dann gegen Ende des Eingriffs wieder auf 37°C erwärmt. Aber auch ohne das gewollte Absenken der Körpertemperatur besteht bei jeder Operation und Narkose die Gefahr, dass der Körper auskühlt. Dieses wird durch den Einsatz von Wärmedecken, Infusionswärmern und bei Bedarf (z.B. bei Kindern) durch das Anheben der Raumtemperatur verhindert.

Muskelrelaxometrie

Gelegentlich müssen zur Erleichterung des operativen Eingriffes oder/aber zur Verbesserung der Beatmung Muskelentspannungsmitteln (sog. Muskelrelaxantien) eingesetzt werden. Um postoperative Probleme durch eine muskuläre Schwäche der Atemmuskulatur zu verhindern, wird intraoperativ und insbesondere am Ende der Operation die Aufhebung bzw. Ende der Wirkung solche Muskelrelaxantien durch die Relaxometrie überwacht.

Blutgasanalyse

Die Blutgasanalyse erlaubt die Kontrolle über die Sauerstoff– und Kohlendioxidgehalt des Blutes, was seinerseits zur Steuerung der Beatmungsparameter von eminenter Bedeutung ist. Die in unserem Institut zur Verfügung stehenden Analysegeräten erlauben zusätzlich die:

  • Bestimmung der Sauerstoffsättigung und Sauerstoffpartialdruck zur Beurteilung der Sauerstoffversorgung des Organismus
  • Messung von Hämoglobin und Hämatokrit zur Steuerung der Blutersatztherapie
  • Bestimmung der Elektrolyte Kalium, Natrium und Calcium
  • Kontrolle des Blutzuckerspiegels; bei Diabetikern wird nach dem Wert die Insulintherapie während der Narkose gesteuert

Messung des zentralen Venendrucks

Zur weiteren Überwachung der Herz- und Kreislauffunktion wird ein zentraler Venenkatheter (ZVK) gelegt. Dazu wird in Narkose eine große herznahe Vene (üblicherweise am Hals) punktiert und ein dünner, ca. 15-20 cm langer Katheter in die obere Hohlvene eingeführt, dessen Spitze kurz vor dem rechten Herzvorhof liegt. Der dort gemessene Venendruck (ZVD) gibt Auskunft über den Füllungszustand des Herzens. Über diesen Katheter können weiterhin Blut abgenommen, Flüssigkeitsverluste ausgeglichen und Medikamente appliziert werden.

Tubus-Cuffdruckmessung

Der bei der Allgemeinanästhesie verwendete endotracheale Tubus (umgangssprachlich Beatmungsschlauch genannt) wird durch einen Luftkissen in der Luftröhre abgedichtet, um den Eintritt von Schleim oder Mageninhalt in die Lunge zu verhindern. Die Kontrolle des Druckes, der in diesem Luftkissen herrscht, stellt sicher, dass die Schleimhaut in dem Kontaktbereich weiter durchblutet wird.

Point of care-Gerinnungsdiagnostik

Mit der Point of care Gerinnungsdiagnostik werden Gerinnungsanalysen direkt am Patienten (häufig am Ort der Behandlung) mit mobilen Analysegeräten durchgeführt .. Gesteigerte Effizienz, rasche Verfügbarkeit der Resultate mit der Möglichkeit, therapeutische Massnahmen unverzüglich einzuleiten, sind einige der eminenten Vorteile. Insbesondere in der Herzchirurgie hat diese Art der Analysen zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Aktivierte Gerinnungszeit

Diese Messung der Vollblut-Gerinnungszeit (Activated Clotting Time, kurz ACT) wird seit Jahrzehnten als Bedside-Methode zur Überwachung der Heparintherape bei Herzoperationen mit der Herz-Lungen-Maschine eingesetzt.

Thromboelastographie

Die Thromboelastographie mittels Roteg®-System arbeitet im Gegensatz zur klassischen Thromboelastographie mit Aktivatoren bzw. Inhibitoren und erlaubt daher die Differenzierung der Thrombozytenfunktionsstörung. Diese Analyse dient zur Messung der Gerinnselbildung- und verfestigung bis hin zur Lyse, unter Einschluss der Thrombozyten. Eine Differenzierung zwischen Faktorenmangel, Hyperfibrinolyse, medikamenteninduzierte Gerinnungsprobleme (z.B. Heparin), Polymerisationsstörungen und Thrombozytenfunktionsstörungen ist möglich. Im Vergleich zu den üblichen Gerinnungstests (Globaltests) liefert die Roteg®-Analyse Informationen über „wie das Blut gerinnt“ und nicht nur „wann das Blut gerinnt“. Eine genauere Kenntnis der Blutungsursache kann eine zielgerichtete spezifische Therapie möglich machen.

Beatmungsparameter

Eine optimale Einstellung der Beatmungsparameter wird anhand der Körpergröße und Körpergewicht vorgenommen. Kontinuierliche Blutgasanalysen ermöglichen bei Bedarf die intraoperative Anpassung.

Intraoperatives Neuromonitoring

Das intraoperative Neuromonitoring beinhaltet das EEG-basierte Überwachung der Narkosetiefe (BIS-Monitoring) sowie eine aufwendige elektrophysiologische Überwachung der Hirnfunktion während intrakraniellen Eingriffe. Hierzu gehören auch die Überwachung des Hörnerven (N. akustikus) im Form von akustisch evozierten Potentialen (AEP) und des N. facialis (Gesichtsnerv) bei Operationen eines Akustikusnerinoms, des N. Trigeminus bei Operationen zur Therapie eines Trigeminusneuralgie (EMG, Elektromyographie) sowie die sog. SSEP (somatosensibel evozierte Potentiale) zur Beurteilung der zentralen somatosensiblen Leitungsbahn und peripheren, sensiblen Nerven.

Dopplersonographie

Mittels Dopplersonographie wird der Eintritt von Luft in das Venensystem bzw. Herzkammer bei neurochirurgischen Operationen in sitzender Lagerung detektiert. Das dabei erzeugte Geräusch warnt den Anästhesisten und ermöglicht ihn in sekundenschnelle diese Luft über die Spitze eines bereits präoperativ bis in das Herzohr vorgeschobenen Katheter, zu aspirieren.

Messung des Herzzeitvolumens (HZV)

Die Pumpenleistung des Herzens ist eine besonders wichtige Parameter, insbesondere bei Herzkranken Patienten. Messung dieses Parameters kann bei der Entscheidungsfindung in kritischen Situationen (beispielsweise Gabe von Flüssigkeit oder/aber kreislaufunterstützenden Mitteln) extrem hilfreich sein.

Transösophageale Echokardiographie (TEE)

Bei der Untersuchung mit der transösophagealen Echokardiographie (auch Schuckecho genannt) wird eine biegsame Sonde mit einem Ultraschallkopf an der Spitze in Narkose in die Speiseröhre vorgeschoben (vergleichbar mit einer Magenspiegelung). Von dort aus lässt sich das Herz in verschieden Ebenen darstellen. Die Haupteinsatzgebiete dieses Verfahrens sind die Operationen an der Aorten– und Mitralklappe. Die Vielseitigkeit der Ultraschalluntersuchung erlaubt aber auch die Erkennung von Volumenmangel, Kontraktionsstörungen des Herzmuskels, Embolien und Thrombosen. Blasenkatheter Bei längeren operativen Eingriffen oder Operationen, bei denen große Mengen an Flüssigkeit umgesetzt wird, erhalten die Patienten nach Einleitung der Narkose einen Urinkatheter, der durch die Harnröhre vorgeschoben wird. Eine an dem Blasenkatheter angeschlossene Meßkammer erlaubt die genaue Kontrolle über die Urinausscheidung und dient u.a. als Parameter zur Steuerung der intraoperativen Flüssigkeitstherapie.

Labordiagnostik

Eine zeitnahe Laboranalyse (Gerinnung, Blutbild, Elektrloyte, Herzenzyme, etc.) während und unmittelbar nach großen operativen Eingriffen, in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin, versetzt den Anästhesisten in der Lage, Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und die optimale Therapie unverzüglich einzuleiten.