Fachgebiet Notfallmedizin

Die prä- und innerklinische Notfallversorgung stellt seit vielen Jahren eine wichtige Säule im Aufgabenspektrum unseres Instituts dar. Die Ernennung zum „Notfallmedizinischen Zentrum“ des Landes Rheinland-Pfalz spiegelt die Anerkennung der fachlichen Kompetenz und der herausragenden Bedeutung unseres Hauses für die notfallmedizinische Versorgung unserer Region wider. Sie ist aber zugleich auch Verpflichtung, notfallmedizinische Strukturen und Versorgungskonzepte den zukünftigen Herausforderungen, z. B. der demographischen Entwicklung, anzupassen.

Präklinische Notfallversorgung

Die notärztliche Versorgung nimmt eine Schlüsselfunktion bei der Behandlung akut erkrankter oder verletzter Patienten ein. Dies kommt sowohl in steigenden Einsatzzahlen im Notarztdienst, dem präklinischen Einsatz zunehmend differenzierter Diagnose- und Therapieverfahren, sowie der Übernahme neuer Funktionen zum Ausdruck. Es besteht eine langjährige enge Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen (ASB und DRK), die die Fahrzeuge und das nichtärztliche Personal des Rettungsdienstes unserer Region stellen.

Notarztdienst

Unser Institut stellt die Notärzte zweier rund um die Uhr betriebener Notarzteinsatzfahrzeuge. Der Versorgungsbereich umfasst das Stadtgebiet Kaiserslautern und den größten Teil des Landkreises Kaiserslautern. Jährlich werden ca. 5.000 Einsätze geleistet. Nach den Herzkreislauferkrankungen stehen neurologische Notfälle wie der Schlaganfall, sowie psychiatrische und psychosoziale Notfälle (z. B. Drogen- und alkoholbedingte Notfälle, Selbsttötungsversuche) an der Spitze des Einsatzspektrums. Neuere Therapieverfahren wie die Lysebehandlung bei akutem Herzinfarkt oder die sog. nichtinvasive Beatmung bei akutem Herzversagen und bestimmten Formen des Lungenversagens können entscheidend zur Verbesserung der Prognose dieser Krankheitsbilder beitragen.

Angesichts des skizzierten Wandels im Einsatzspektrum zählt längst auch die sog. Krisenintervention zum selbstverständlichen Aufgabenbereich des Notarztes.

Intensivtransportwagen (ITW)

Die heute zur Verfügung stehende Technik (z. B. kompakte und dennoch sehr leistungsfähige Beatmungsgeräte) ermöglicht es, eine Intensivtherapie auch während des Transports fortzuführen. Damit können auch schwerst kranke Patienten sicher von einer Klinik in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, um z. B. eine Organersatztherapie oder spezielle Operation durchzuführen. Der 2006 in Dienst gestellte ITW Kaiserslautern wird im dual-use-System betrieben, d.h. Arzt + Medizintechnik werden von unserem Institut gestellt, das Transportmittel (Rettungswagen mit Zusatzausstattung) von den örtlichen Hilfsorganisationen.

Leitender Notarztdienst

Bei größeren Schadensfällen im Stadtgebiet Kaiserslautern koordinieren besonders erfahrene Notärzte des Instituts als sog. Leitende Notärzte die medizinische Versorgung der Patienten.

Ärztlicher Leiter Rettungsdienst

Im 2005 novellierten Landesrettungsdienstgesetz wurde mit der Einführung des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst (ÄLRD) ein wesentlicher Schritt im medizinschen Qualitätsmanagement vollzogen. Unser Institut stellte im Dezember 2005 den ersten ÄLRD in Rheinland-Pfalz. Er war u. a. für die notfall- und katastrophenmedizinischen Planungen anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verantwortlich und leitet auf örtlicher wie überörtlicher Ebene zahlreiche Qualitätssicherungsprojekte.

Medizinische Versorgung bei Großraumveranstaltungen

Medizinische Betreuung bei Großveranstaltungen: Die notfallmedizinische Versorgung der Besucher des Fritz-Walter-Stadions, sowie zahlreicher anderer Großveranstaltungen wird zusammen mit den Hilfsorganisationen durch Notärzte unseres Instituts gewährleistet.

Innerklinische Notfallversorgung

Schockraumversorgung

Schockraum ist das Bindeglied der prä- und innerklinischen Versorgung. Nach vorheriger Anmeldung über den Notfallkoordinator durch die Leitstelle bzw. direkt durch den Notärztin/Notarzt steht sämtliches Fachpersonal der betroffenen Disziplinen im Schockraum zur Übernahme des Patienten bereit. Dadurch wird eine umfassende klinische Beurteilung innerhalb kürzester Zeit ermöglicht und die adäquate Diagnostik ohne Verzögerung durch Konsiliaruntersuchungen eingeleitet. Die Beteiligung verschiedener Fachrichtung erleichtert weiterhin die definitive Unterbringung des Patienten in einem geeignetem stationären Bereich je nach Schweregrad der vorliegender Erkrankung. Jährlich werden mehr als 300 Schockraumpatienten versorgt.

Innerklinischer Notfallkoordinator

Große Kliniken sind Ziel einer Vielzahl von Notfalltransporten. Dabei muss in kürzester Zeit geklärt werden, welche der zahlreichen Abteilungen, Kliniken und Institute für die Versorgung des Patienten zuständig ist – nicht selten sind sogar mehrere Abteilungen zugleich involviert. Aufgabe des unserem Institut zugeordneten „Innerklinischen Notfallkoordinators“ ist es, an dieser „Nahtstelle“ zwischen präklinischer und innerklinischer Notfallversorgung die bestgeeignete Weiterversorgung in der Klinik sicherzustellen und so Fehlzuweisungen und Zeitverluste zu vermeiden. Seit ihrer Einführung im Juli 2007 hat sich diese Funktion hervorragend bewährt und als Empfehlung in den Landesrettungsdienstplan aufgenommen.

Zentrales Notfallteam

Im Falle plötzlich auftretender innerklinischer Notfallsituationen steht auf unserer Intensivstation 6/3 rund um die Uhr ein speziell geschultes und ausgerüstetes Notfallteam bereit. Dieses ist in der Lage, sämtliche erweiterten Therapiemaßnahmen durchzuführen und organisiert die weitere Versorgung, z. B. die Verlegung auf eine Intensivstation.

Forschung

Seit vielen Jahren werden an unserem Notarztstandort wichtige Beiträge zur notfallmedizinischen Versorgungsforschung geleistet, so zur Epidemiologie des sog. plötzlichen Herztodes oder zur Versorgungsqualität bei akutem Schlaganfall. Die Früherkennung und –therapie von Notfällen bei älteren und allein lebenden Patienten steht im Mittelpunkt mehrerer EU-Forschungsprojekte, die wir gemeinsam mit namhaften Partnern aus der Region (Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering, IESE) sowie dem In- und Ausland durchführen (z. B. EMERGE, OASIS).

Aus-, Fort– und Weiterbildung

Vielfältige Lehrveranstaltungen runden die Tätigkeit des Funktionsbereichs Notfallmedizin ab. Das Spektrum erstreckt sich von der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Notärzten, Rettungsassistenten und -sanitätern bis zur Notfallschulung des gesamten innerklinischen Personals. Zahlreiche Referate auf nationalen und internationalen Kongressen spiegeln das Engagement des Instituts in Forschung und Lehre wider. Der Chefarzt ist Herausgeber eines Standardwerkes für Notfallmedizin.

Notfallkoordination

Das Institut für Anästhesiologie und Notfallmedizin I stellt den Notfallkoordinator, der unter der Rufnummer 0631 203-2222 (intern 2222) 24 Stunden täglich für die innerklinische Koordinierung von Notfällen zuständig ist.

In Zusammenarbeit mit dem im Haus tätigen Fachdisziplinen werden polytraumatisierte Patienten, Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata, akutem Koronarsyndrom, apoplektischem Insult, etc. einer effektive und zeitverkürzte Diagnostik und Behandlung unterzogen.

Im Jahr 2008 wurde die Aufnahme von über 1.700 Patienten über den Notfallkoordinator disponiert. Eine koordinierte Zuweisung entsprechend der vorliegenden Symptomatik und Primärdiagnose führte zur einer sprunghaften Anstieg der Lyseraten bei apoplektischem Insult im Behandlungszeitfenster, Anstieg der Direktaufnahmen von Patienten mit unklaren thorakalen Beschwerden auf die CPU (Chest Pain Unit) sowie die Zunahme der Anzahl der Patienten bei denen eine Koronarangiographie sofort durchgeführt werden konnte.

Aufgabenbeschreibung:

  • Der Notfallkoordinator ist zentraler ärztlicher Ansprechpartner des WKK für integrierte Leitstellen, Rettungsleitstellen sowie boden– und luftgebundene arztbesetzte Rettungsmittel
  • Der Notfallkoordinator entscheidet, sofern der Patient nicht bereits von einer Klinik des Hauses akzeptiert wurde, über die Aufnahme bzw. Ablehnung unter Berücksichtigung von Behandlungs– und personellen Ressourcen. Die dazu notwendigen Informationen werden ihm bereitgestellt.
  • Der Notfallkoordinator sorgt für die hausinterne Alarmierung der Notfallteams entsprechend den interdisziplinär abgestimmten Alarmierungsplänen.
  • Der Notfallkoordinator benennt dem Rettungsdienst den Übergabeort des Patienten (Notaufnahme, Schockraum, Intensivstation, Katheterlabor, Kreißsaal etc.)
  • Der Notfallkoordinator sorgt für die Dokumentation der Anfragen und den Ablauf ggf. einschließlich der Gründe für die Ablehnung von Patienten.
  • Der Notfallkoordinator strukturiert die Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Kaiserslautern die überregionale Lenkung von von Akutpatienten zum Westpfalz-Klinikum (insbesondere Polytrauma, Myokardinfarkt, Stroke).
  • Der Notfallkoordinator ist bei Großschadenslagen die erste Kontaktstelle von extern nach intern.