Die Neuroanästhesie umfasst:

  • Präoperative Evaluierung, Prämedikation
  • Intraoperative Monitoring
  • Fiberoptische Wachintubation
  • Einleitung
  • Lagerung
  • Flüssigkeitstherapie
  • Blutgerinnung
  • Ausleitung
  • Disaster Management (Aneurysmaruptur, Hirnschwellung)
  • Neuroradiologie
  • Spinale Neurochirurgie

Neuroanatomie

Das Zentralnervensystem setzt sich aus Gehirn und Rückenmark (Medulla spinalis) zusammen. Die wichtigsten Regionen des Gehirns bestehen (von unten nach oben) aus dem:

  • Hirnstamm mit verlängertem Mark (Medulla oblongata)
  • Brücke (Pons) und
  • Mittelhirn (Mesencephalon), dem
  • Kleinhirn (Cerebellum),
  • Zwischenhirn (Diencephalon),
  • Balken (Corpus Callosum),
  • dem limbischen System (Archikortex, Paleokortex) und schließlich
  • dem Großhirn (Cerebrum), das von
  • der Großhirnrinde (Neokortex) überdeckt wird.

 

Neuromonitoring
SSEP, somatosensorisch evozierte Potentiale

Elektrische Stimulation der Peripheren Nerven (Medianus, Tibialis) und Registrierung des Antwortpotentials im zentralen Nervensystem (Cortex oder Rückenmark) mittels Nadelelektroden zwecks Minimierung des Ischämierisikos bzw. Überwachung der Unversehrtheit der zentralen Nervenbahnen. Die SEP werden vornehmlich eingesetzt zur intraoperativen Überwachung bei:

  • Skolioseoperationen
  • Rückenmarkschirurgie
  • intra- und extrakranieller Gefäßchirurgie
  • spinaler und zerebraler interventioneller Neuroradiologie und
  • spinaler und zerebraler Tumorchirurgie

Über den intraoperativen Einsatz hinaus haben die SEP auch eine besondere Bedeutung in der Beurteilung und prognostischen Abschätzung schwerer Schädel-Hirn-Traumata (SHT).

AEP, akustisch evozierte Potentiale

Überwachung des N. vestibulo-cochlearis mittels einseitige akustische Reize (Klickton über Ohrstöpsel) bei hirnstammnahen Eingriffen. Zum Zwecke der intraoperativen Monitoring werden lediglich die FAEP (Frühe Akustisch Evozierte Potentiale) verwendet. Das FAEP-Monitoring wird seit mehr als 15 Jahren bei operativen Eingriffen an der hinteren Schädelgrube eingesetzt. Der Nutzen der intraoperativen FAEP-Ableitung ergibt sich daraus, dass sich die FAEP sehr zeitnah zu Operationsbedingten Hirnstammalterationen verändern, so dass bei registrierten FAEP-Verschlechterungen der Chirurg sofort gewarnt wird und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen kann.

MEP, motorisch evozierte Potentiale

Direkte Stimulation des kortikalen Repräsentationsfelder und Regiestrierung des motorischen Antwortes.

EMG, Elektromyographie

Überwachung der Intaktheit der Hirnnerven (N. facialis, N. Trigeminus) während des operativen Eingriffes.

Brain Protection

Brain Protection beschreibt das Bündel an Maßnahmen, die eine cerebrale Ischämie verhindern bzw. deren Folgen mindern können. Zu den teilweise evidenzbasierten Maßnahmen gehören:

Hypothermie:

Der Nutzen der Hypothermie ist umstritten. Eine milde Hypothermie (34-35°C) zur Reduktion des zerebralen Metabolismus wird jedoch von den meisten Experten empfohlen.

Kontrollierte Hypotension:

Intraoperativ sollte eine Normotension (allenfalls eine leichte Hypertension mit MAP-Werte von 90-110mm Hg) angestrebt werden. Im Falle einer Aneurysmaruptur wird seitens der Neurochirurgen eine Hypotension (MAP 50-60mm Hg) zur Verbesserung der Sicht im Op-Feld gefordert. Diese kann üblicherweise durch die Gabe von Thiopental (Trapanal 5mg/kg) bis zum Burst-Suppresion erreicht werden. Um eine abrupte Blutdrucksenkung mit Gefahr einer Hirnminderperfusion zu verhindern, muss häufig mittels Arterenol entgegengesteuert werden.

Normoglykämie:

Ziel ist ein Blutzuckerwert von <200mg/dl. Die Korrektur des Blutzuckerwertes sollte mittels i.v.-Insulingabe erfolgen. Der BZ-Abfall sollte ca. 100mg/dl/h nicht übersteigen, um die Gefahr eines Hirnödems zu vermeiden.

Hyperventilation:

Eine leichte Hypokapnie (28-32mm Hg) wird von den meisten Autoren während der gesamten Op-Phase (nach Duraeröffnung) empfohlen.