Das Atmungssystem besteht aus den oberen und unteren Luftwegen, den Lungengefäßen, und der Atmungsmuskulatur.

Die Lunge ist eines der größten Organe im Körper und ist zuständig für die Atmung und somit für den Gasaustausch. Das maximale Atemvolumen beträgt in Abhängigkeit von Alter, Größe, Geschlecht und Körperbau ca. 3-7 Liter. Es werden in ca. 20.000 Atemzyklen durch die Lunge täglich ca. 10.000 bis 15.000 Liter Luft bewegt.

Atemwegserkrankungen nehmen weltweit in Ihrer Häufigkeit einen immer weiter zunehmenden Stellenwert ein, allen voran COPD, Asthma bronchiale, Pneumonie, Bronchialkarzinom und auch die Tuberkulose. Vier der häufigsten zehn Erkrankungen und Ereignisse, die weltweit zum Tod führen, finden sich in der Lungenheilkunde wieder.

Die Sektion Pneumologie innerhalb der Medizinischen Klinik 2 hält alle wichtigen Untersuchungsmethoden der Pneumologie vor. Es besteht eine leistungsfähige endoskopische Einrichtung. Weiter ist für eine intensive klinische Betreuung der Patienten gesorgt.

 

Konservative Pneumologie

Die Pneumologie führt im eigenen Lungenfunktionslabor die komplette Diagnostik mit Spirometrie, Bodyplethysmographie, Bodyplethysmographie mit Bronchospasmolysetest, Bestimmung des CO-Diffusionskoeffizienten, Messung der Atempumpe und Bestimmung der Blutgase mittels Blutgasanalyse durch.

Bodyplethysmographie:

Zur Überprüfung der aktuellen Lungenfunktion und Diagnosestellung bei Luftnot sowie vor invasiven Eingriffen und Narkosen, aber auch gegebenenfalls zur Verlaufskontrolle, z.B. nach Verbesserung oder Verschlechterung des klinischen Krankheitsbildes oder Kontrolle nach Einleitung von Therapiemaßnahmen wird eine Bodyplethysmographie durchgeführt. Hierzu sitzt der Patient aufrecht in einer luftdicht verschlossenen gläsernen Kabine. Die Nase ist mit einer Nasenklemme verschlossen und er atmet entsprechend den jeweils vorgegebenen Kommandos in ein Mundstück. Es können hierbei durch Registrierung des Atemflusses und der Druckschwankungen in der Kabine die sogenannten statischen und dynamischen Lungenvolumina ermittelt werden, sowie weitere Parameter wie Atemwegswiderstand oder Atemkraft. Ergänzt werden kann die Untersuchung bei verengten Atemwegen durch einen Bronchospasmolysetest. Nach Inhalation eines schnellwirksamen bronchienerweiternden Medikamentes kann durch eine erneute Lungenfunktionsmessung festgestellt werden, ob die Verengung rückläufig ist.

CO-Diffusionsmessung:

Mittels Ein-Atemzug-Methode wird ein geschmacks- und geruchsloses Gasgemisch aus Helium, Kohlenmonoxid und Raumluft maximal eingeatmet und der Atem über 10 Sekunden angehalten. Anschließend wird der in der Ausatemluft verbliebene Anteil des Gemischs bestimmt. So können Rückschlüsse auf eine Störung des Gasaustausches geschlossen werden.

Kapilläre Blutgasanalyse:

Nach Erwärmen des Ohrläppchens durch eine durchblutungsfördernde Salbe wird über einen kleinen Stich mit einer Lanzette eine winzige Blutmenge in einer Glaskapillare (20µl) aufgefangen und untersucht. Bei Störungen des Gasaustauschs und Versagen der Atempumpe können die Notwendigkeit einer Langzeitsauerstofftherapie oder der häuslichen nichtinvasiven Beatmung überprüft und entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

Belastungsuntersuchungen:

Zur Untersuchung der Funktion der Lunge unter Belastungsbedingungen kann eine Blutgasanalyse unter Belastung durchgeführt werden. Diese Untersuchungen eignen sich sowohl zur ersten Einschätzung wie auch zur Verlaufskontrolle.

6-Minuten-Gehtest:
Die Gehstrecke wird über sechs Minuten auf dem Laufband im vom Patienten vorgegebenen Tempo ermittelt. Alternativ kann die Gehstrecke auf ebenem Flur abgemessen werden. Dies hat den Vorteil, dass patienteneigene Hilfsmittel, wie z.B. ein Rollator benutzt werden können. Die Untersuchung ist je nach Fragestellung sowohl bei Raumluft als auch unter Sauerstoffzufuhr möglich.

Spiroergometrie:
Besonderen Wert unter den Belastungsuntersuchungen erhält die Spiroergometrie. Sie wird vor allem auf dem Fahrradergometer durchgeführt. Dabei trägt der Patient eine Maske, über die das Atemvolumen, Sauerstoff und Kohlendioxid gemessen werden. Zusätzlich werden das EKG aufgezeichnet und der Blutdruck kontrolliert. Es werden zudem mehrfach Blutgasanalysen durchgeführt. Die Spiroergometrie dient dazu, die Ursache von Luftnot als herz- oder lungenbedingt differenzieren zu können oder um die individuell mögliche kardiopulmonale Leistungfähigkeit zu erfassen, z.B. vor geplanten Lungenoperationen. Gegebenenfalls kann auch eine Trainingsempfehlung ausgesprochen werden.

Sonographie:

Es besteht die Möglichkeit zur Durchführung einer Ultraschalluntersuchung zur Beurteilung des Rippenfells und der äußeren Lungenanteile. So können z.B. Flüssigkeitsansammlungen diagnostiziert, ersteingeschätzt (Wasser, Eiter, Blut) und quantifiziert werden oder auch Veränderungen des Rippenfells beurteilt oder Tumore nahe der Thoraxwand dargestellt werden. Die Pleurasonographie kann durch interventionelle diagnostische oder therapeutische Maßnahmen (z.B. Punktion, Biopsie oder Drainageanlage) ergänzt werden, teils unter Lokalanästhesie, teils unter Sedierung.

Ebenso werden in Zusammenarbeit mit der Kardiologie die Echokardiographie und die Möglichkeit einer Rechtsherzkatheteruntersuchung vorgehalten. Insbesondere bei den Rechtsherzkatheteruntersuchungen ist ein Reaktivitätstest Standard.

Kardiorespiratorische Polygraphie:

Zur Klärung des Verdachts auf Vorliegen einer schlafbezogenen Atemstörung besteht zusätzlich die Möglichkeit einer Schlafapnoescreeninguntersuchung, einer sogenannten Polygraphie. Dabei werden während der Nacht Atemfluss, Thorax- und Abdomenexkursionen, Puls, periphere Sauerstoffsättigung, EKG, Körperlage und Schnarchen aufgezeichnet. Damit kann fast das gesamte Spektrum abgedeckt werden, das auch eine ausführliche stationäre Polysomnographie bietet. Die Polygraphie dient sowohl zum initialen Screening als auch zur Kontrolle nach Einleitung einer nächtlichen Überdrucktherapie oder einer nichtinvasiven Beatmung.

 

Endoskopie

Unter stationären Bedingungen ist die pneumologische Endoskopie von großer Bedeutung für die Onkologie. Das Bronchialkarzinom als häufigster Tumor überhaupt erfordert fortgeschrittene Methoden zur Diagnostik und Stadieneinteilung. Entsprechend dieses Anspruches wurden modernste diagnostische Möglichkeiten geschaffen. So ist eine Videobronchoskopie vorhanden. Die Qualität dieser Videobronchoskope reichen an den HDTV Status heran. Mittels einer vorgehaltenen Durchleuchtungseinrichtung sind gezielte transbronchiale Biopsien möglich. Im Rahmen der Diagnostik der Alveolitiden werden bronchoalveoläre Lavagen mit Zelldifferenzierung durchgeführt.

Flexible Videobronchoskopie:

Die flexible Bronchoskopie ist die Methode der Wahl zur Inspektion der unteren Atemwege. Nach Inhalation eines Lokalanästhetikums zum Betäuben des Rachenraumes wird, zumeist über die Nase, in Ausnahmefällen auch über den Mund, ein dünnes flexibles Endoskop weiter über den Rachen zwischen den Stimmbändern hindurch in die Luftröhre eingeführt und je nach Beschaffenheit der Atemwege bis in die Segment-oder auch Subsegmentbronchien unter Sicht vorgeschoben. Die passierten Abschnitte können somit beurteilt werden, Blutungsquellen ausfindig gemacht werden, die Durchgängigkeit der Bronchien bei Tumorwachstum beurteilt werden und es können gegebenenfalls mittels kleiner Zangen millimeterkleine Gewebsproben entnommen werden. Eine gezielte Reinigung der unteren Atemwege bei ausgeprägtem Sekretverhalt mit respiratorischer Einschränkung ist ebenfalls möglich. Es werden routinemäßig Lungenabschnitte gezielt angespült und das wieder abgesaugte Material zur zytologischen und mikrobiologischen Untersuchung weitergeleitet. Die Untersuchung wird bei nüchternem Patienten (Medikamente dürfen eingenommen werden) unter Sedierung durchgeführt. Während der Prozedur findet eine Monitorüberwachung von EKG, Sauerstoffsättigung und Blutdruck statt. Blutverdünnungsmittel stellen keine Kontraindikation zur Bronchoskopie dar, jedoch werden bei unzureichender Gerinnung durch orale Antikoagulantien oder doppelter Plättchenhemmung keine Gewebsproben entnommen.

Starre Bronchoskopie:

Im Gegensatz zur flexiblen Bronchoskopie wird diese Untersuchung in Vollnarkose unter „Jet“-Beatmung durchgeführt. Hierbei wird ein Edelstahlrohr durch den Mund zwischen den Stimmbändern in die Luftröhre vorgeschoben. Über dieses Rohr können Instrumente oder auch ein flexibles Bronchoskop eingeführt werden. Verschiedene Interventionen sind über die starre Bronchoskopie möglich. Die Möglichkeiten reichen von der Fremdkörperentfernung bis zur Argonplasmabeamerkoagulation von Tumorblutungen. Rekanalisierende Maßnahmen werden mittels scharfer Abtragung durchgeführt. Weiter werden Laserabtragungen von Tumoren durchgeführt. Hier findet eine enge Zusammenarbeit mit der Thoraxchirurgie statt.

In enger Kooperation mit der Thoraxchirurgie werden auch Thorakoskopien und Mediastinoskopien geplant und durchführt.

EBUS (endobronchiale Ultraschalluntersuchung):

Zum Tumorstaging und zur Operationsplanung kann eine EBUS-Untersuchung durchgeführt werden. Dies erfolgt in der Regel unter starrer Bronchoskopie. Über das Edelstahlrohr wird die flexible Ultraschallsonde mit videoskopischer Sicht eingeführt. Vor Ort können die Strukturen, die der Luftröhre und den großen Bronchien anliegen (z.B. mediastinale Lymphknoten), sonographisch dargestellt und beurteilt werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit zur Durchführung einer Feinnadelaspiration zur Gewinnung von Material zur zytologischen Untersuchung.

 

Klinische Pneumologie

Die Pneumologie betreut die Station 9/1. Hier werden Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen aus dem pneumologischen Spektrum, vor allem jedoch Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen behandelt und in schweren Fällen auch gegebenenfalls einer Langzeitsauerstofftherapie oder einer häuslichen Beatmung zugeführt. Dabei wird selbstverständlich auch der individuelle Wunsch des Patienten berücksichtigt, da Luftnot gerade bei chronischem Krankheitsverlauf einen bedeutenden Verlust an Lebensqualität darstellt, die es im Einklang mit Patient und pflegenden Angehörigen zu erhalten gilt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Pneumonien sowie infektiöser pulmonaler Erkrankungen wie der Lungentuberkulose. Eine rasche und valide Diagnostik der Infektionserkrankungen ist mittels des eigenen mikrobiologischen Labors des Westpfalz-Klinikums möglich.

Die Betreuung von Patienten mit Lungenkrebs vor allem im Zeitraum der Diagnostik, aber auch während der Therapie oder auch gegebenenfalls anschließend, beispielsweise zur Symptomkontrolle bei Luftnot und Schmerz und zur Therapie rezidivierender Pleuraergüsse, findet ebenfalls hier statt.

Die Behandlung pneumologischer Erkrankungen wird durch den Einsatz geschulten Personals mittels Physiotherapie und Atemtherapie unterstützt und optimiert.