15.12.2016 12:00 // Ein Abschied und ein Neubeginn – Teil 1

Ein „Auf Wiedersehen“ und ein „Herzlich Willkommen“ liegen manchmal nah beieinander. Ende Dezember 2016 verabschiedet sich PD Dr. Hartmut Winkler als Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie 1 in den wohlverdienten (Un-)Ruhestand; Anfang Januar tritt Prof. Dr. Alexander Hofmann die Stelle des Chefarztes an. Wir haben den amtierenden und den designierten Chefarzt dazu befragt – hier das Interview mit Chefarzt PD Dr. Hartmut Winkler:

Bis Dezember 2016 der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie 1 am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern: PD Dr. Hartmut Winkler

Bis Dezember 2016 der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie 1 am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern: PD Dr. Hartmut Winkler

„Die Arbeit geht auch im Ruhestand weiter“  

Klinikum Transparent: Herr Privatdozent Dr. Winkler, wenn Sie zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen, was empfinden Sie über den bevorstehenden Wechsel?

Winkler: Ehrlich gesagt, habe ich bisher keine Zeit gehabt, mir viele Gedanken zu machen. Wie bisher geht mein Arbeitstag von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends, freitags zum Teil sogar länger, damit der Schreibtisch am Montagmorgen möglichst leer ist. Für mich gibt es kein Ausklingenlassen, ich bringe meinen Job zum Ende. Und danach hört es auch noch nicht auf, die Arbeit geht ja zunächst noch weiter. Auch im nächsten Jahr werde ich noch beschäftigt sein, Unterlagen zu bearbeiten, danach widme ich mich verstärkt einer Beratertätigkeit, insofern werde ich mich nicht ganz zur Ruhe setzen, sondern weiterhin aktiv bleiben – nur operieren werde ich nicht mehr!  

Was haben Sie in Ihrer Berufslaufbahn erlebt? Wie hat sich die Arbeit für einen Chirurgen verändert?

Das war eine sehr spannende Entwicklung. Als ich angefangen habe, war Chirurgie noch ein einziges Fachgebiet für alle Bereiche. Hier im Westpfalz-Klinikum wurde eine Unfallchirurgie als erste selbständige Klinik etabliert, das war für mich schon etwas Besonderes. Und die Klinik ist kräftig gewachsen: Anfangs waren wir drei Oberärzte und fünf Assistenzärzte, jetzt gibt es neun Oberarzt- und fünfzehn Assistenzarztstellen – diese enorme Entwicklung zeigt klar den wachsenden Bedarf.  

Aber auch die Haltung zur Arbeit hat sich in dieser Zeit deutlich geändert. Als Arzt früher hat man sein Leben ganz der Medizin gewidmet: einen Tag lang arbeiten, die Nacht mit Bereitschaftsdienst und dann wieder tagsüber arbeiten, das war damals normal. Der Begriff der Work-Life-Balance war völlig unbekannt, inzwischen hat diese Balance einen sehr viel höheren Stellenwert. Und während das Verhältnis zwischen Chefarzt und MitarbeiterInnen früher sehr hierarchisch geprägt war, ist es heute viel kollegialer, was die Arbeitsatmosphäre wiederum deutlich angenehmer macht.  

In der Zeit Ihres Wirkens hat sich auch die Medizintechnik immens entwickelt – wie haben Sie den technischen Fortschritt miterlebt?

Die Medizintechnik hat sich tatsächlich in meiner Zeit enorm entwickelt. Als ich 1984 in der Ludwigshafener BG-Klinik angefangen habe, gab es noch kein CT und kein MRT, wir konnten nur röntgen. Um ein CT machen zu lassen, mussten Patienten nach Mannheim transportiert werden, mit einem MRT habe ich erst Mitte der 1990er Jahre gearbeitet – insofern habe ich tatsächlich wichtige Meilensteine miterlebt. Auch was die Qualität angeht, war das CT damals noch in den Kinderschuhen. Heute würde mit einer solchen Bildqualität nicht gearbeitet werden. Diese Entwicklung zeigt beispielhaft, wie mit den technischen Möglichkeiten auch die Ansprüche wachsen.  

Was werden Sie nach Ihrem Abschied vom Westpfalz-Klinikum vermissen, was werden Sie nicht vermissen?

Ich werde gewiss die Arbeit für die Patienten vermissen. Ursprünglich wollte ich gar kein Arzt werden, sondern hatte Wirtschaftswissenschaft studiert. Erst als ich während des Zivildienstes in einem Krankenhaus gearbeitet habe, hat es bei mir „Klick“ gemacht und seitdem war mir dieses Für-die-Patienten-da-sein sehr wichtig. Was ist auf keinen Fall vermissen werde, ist die Bürokratie und die Verwaltung rund um meine Arbeit: das Ärgernis Bürokratie beansprucht inzwischen schätzungsweise 40 Prozent meiner Zeit und dafür bin ich damals nicht angetreten. Lieber fünf oder sechs Stunden im OP als am Schreibtisch!  

Wie sehen nun Ihre Pläne für den weiteren Lebensweg aus?

Bisher hatte ich noch nicht viel Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Aber ich würde gern ein früheres Hobby, die Fotografie, wieder aufleben lassen. Und dann interessiere ich mich sehr für moderne Kunst, also werde ich ab dem nächsten Jahr bestimmt die eine oder andere Kunstausstellung besuchen.  

Vielen Dank für das Interview – und viel Freude bei Ihren weiteren Aktivitäten!      

Redaktion der Klinikum Transparent
Das Interview führte Petra Winkler