20.06.2016 00:00 // Vielfältig und komplex: die Anforderungen der Handchirurgie

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie 1 am Westpfalz-Klinikum ist um den Schwerpunkt Handchirurgie erweitert worden – im Interview erklärt die Fachärztin Jacqueline Wagner-Gäbelein die Hintergründe.

Fachärztin Jacqueline Wagner-Gäbelein über die Handchirurgie am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie in Kaiserslautern hat jetzt neben der Unfallchirurgie und der Orthopädie die Handchirurgie als eigenen Schwerpunkt eingerichtet – können Sie uns mehr zu den Hintergründen erzählen?  

Patienten aus dem Einzugsgebiet des Westpfalz-Klinikums, die komplexe Verletzungen an der Hand erlitten hatten, mussten bislang an die BG-Klinik nach Ludwigshafen oder nach Pirmasens verwiesen werden. Durch die Zertifizierung des Westpfalz-Klinikums für Schwerstverletztenarten war es erforderlich geworden, die Handchirurgie mit 24-stündiger Erreichbarkeit an 7 Tagen in der Woche anbieten zu können. So war es nur logisch, dass wir diesen Teilbereich auch hier anbieten wollten.  

Auch für die Patienten vor Ort und deren Angehörigen ist es ganz klar ein Gewinn, wenn sie hier in der Region fachkundig versorgt werden können.  

Warum ist die Handchirurgie eine solche Besonderheit?  

Die Hand ist für unseren Lebensalltag besonders wichtig, sie ist wie ein Werkzeug, das wir vom Aufstehen bis zum Schlafengehen täglich tausendfach nutzen. Wenn unsere Hand nicht richtig funktioniert, stört das unseren Alltag erheblich.  

Gleichzeitig ist die Hand sehr komplex aufgebaut. Auf engstem Raum finden sich zahlreiche Knochen, Sehnen, Nerven und Blutgefäße. Bei gravierenden Verletzungen im Bereich von Hand oder Fingern wird daher mittels Lupenbrille oder Mikroskop gearbeitet, um eine Operation auch der kleinen Blutgefäße und Nerven fachkundig zu bewerkstelligen. Aber auch knöcherne Verletzungen oder Verletzungen der Bänder der Finger und der Handwurzel erfordern viel Fachwissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl.  

Neben den akuten Verletzungen sind sind Frakturen der Handwurzel und die Folgen, die durch nicht erkannte oder nicht behandelte Brüche entstehen und die sehr schmerzhaft werden können, weitere Einsatzbereiche. Viele Patienten nutzen auch das Wahlleistungsangebot der Handchirurgie, um Veränderungen der Finger wie beim Morbus Dupuytren operieren zu lassen oder auch bei Arthrosen wie z.B. der Rhizarthrose im Bereich des Daumensattelgelenkes.  

Wegen dieser vielfältigen und komplexen Einsatzbereiche bildet die Handchirurgie inzwischen einen eigenen Schwerpunkt innerhalb der Chirurgie. Der Schwerpunkt Handchirurgie setzt eine 3-jährige Weiterbildung voraus.    

Was bedeutet das Angebot der Handchirurgie für die Region?  

Ich sehe unser Spektrum hier am Westpfalz-Klinikum als Ergänzung und Erweiterung zu den niedergelassenen Kollegen. Für die Kollegen ist es viel einfacher und unkomplizierter, wenn es einen Ansprechpartner vor Ort gibt, der persönlich bekannt ist. Darüber hinaus arbeiten wir Handchirurgen auch eng mit Physio- und Ergotherapeuten vor Ort zusammen, die ebenfalls dazu beitragen, die Gebrauchsfähigkeit der Hand zu erhalten oder wiederherzustellen.  

Für die Patienten bringt die Handchirurgie am Westpfalz-Klinikum vor allem den Vorteil der „kurzen Wege“, angefangen vom ersten Vorstellungsgespräch bis hin zur Verlaufskontrolle nach der Operation.  

Ein klarer Nutzen ist zudem bei schweren Verletzungen gegeben. So sind Amputationen zeitkritisch zu versorgen. Mit der Handchirurgie vor Ort entfällt der Zeitaufwand für den Transport in eine andere Klinik, wodurch wertvolle Zeit gewonnen wird.  

Ein weiterer Pluspunkt ist die Kooperation mit der BG-Klinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie und das Angebot von Herrn Professor Dr. med. Kneser, komplexe Fälle zu diskutieren und bei Bedarf auch gemeinsam zu operieren.  

Der Schwerpunkt der Handchirurgie ist hier am Westpfalz-Klinikum erst vor kurzem eingerichtet worden – was bedeutet das für Sie persönlich?  

Ich selbst stamme von der südlichen Weinstraße, habe im Saarland studiert und am Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz meinen Facharzt für Chirurgie mit dem Schwerpunkt Unfallchirurgie gemacht. Für das Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern habe ich mich entschieden, weil mir wichtig war, an einem großen Haus der Maximalversorgung zu arbeiten.  

In den letzten zwei Jahren habe ich die Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Handchirurgie an der BG-Klinik in Ludwigshafen erfolgreich abgeschlossen. Nun bin ich wieder ans Westpfalz-Klinikum zurückgekehrt, hoffe auf das Vertrauen der Arztkollegen und Patienten und freue mich sehr, den Bereich der Handchirurgie hier weiter auszubauen.  

Vielen Dank für das Interview, Frau Wagner-Gäbelein – wir wünschen Ihnen für Ihr Engagement in Sachen Handchirurgie am Westpfalz-Klinikum alles Gute und viel Erfolg!